Der English Shop in Heidelberg.
Hier kaufen in Deutschland lebende Briten ein, wenn sie Heimweh haben,
z.B.Robin Telfer.
Der Engländer mag die Produkte aus seiner Heimat
- mit der Politik dort hat er seit dem Brexit-Votum aber ein Problem.
Viele Entscheidungen, inklusive der Entscheidung,
ein Referendum zu halten, wurden aus kurzfristigen,
politischen, opportunistischen Gründen getroffen.
Viele Politiker haben ihr eigenes Selbstinteresse,
ihre eigenen Karrieregedanken höher gestellt als den Wohlstand,
die Sicherheit und Lebensmöglichkeit
von Millionen von Menschen auf Generationen hinweg.
Das macht mich wütend.
Wütend und traurig - das sind viele Briten in Heidelberg,
z.B.Peter Bews.
Der Dozent für englische Literatur ist fassungslos,
dass London ernst macht.
Es war eine riesige Enttäuschung.
Ich habe mich immer als Europäer gefühlt,
habe in Österreich und Griechenland gearbeitet,
jetzt seit 30 Jahren in Deutschland.
Meine Landsleute sagen mir auf einmal,
ich sei kein Europäer mehr, ich bin nur Engländer.
Das gefällt mir nicht.
Deswegen habe ich eine Entscheidung getroffen,
die ich mir vor 1 Jahr nie vorstellen konnte:
ich habe einen Antrag auf deutsche Staatsbürgerschaft gestellt.
Ich werde halb Brite, halb Deutscher.
Ich weiß nicht, wo das hinführt.
Ich möchte den Politikern nicht vertrauen, wenn sie sagen,
alles wird gut.
Mit dieser Entscheidung ist Robin Telfer nicht allein.
In den vergangenen Monaten haben allein in Heidelberg
fast 70 Briten einen Antrag auf Einbürgerung gestellt.
Es gibt aber auch Brexit- Befürworter, z.B.Simon Wakeling.
Der Engländer betreibt in der Altstadt eine Kneipe
und hält den Austritt für unausweichlich.
Ich stufe das Ganze als eine Tragödie ein.
Dass es so weit kommen musste, dass ein großes Land austreten musste,
aber daran sind nicht die Briten schuld.
Es gibt sicher viele Briten, die aus dem falschen Beweggrund
für den Brexit gestimmt haben, aber die EU macht sich selbst kaputt.
Die Osterweiterung: Katastrophe - viel zu schnell, viel zu viel.
Das EU-Projekt abblasen?
Für Donald MacPhee ist das keine Option.
Der Schotte hat sich im Kraichgau
ein Geschäft mit Dudelsack-Equipment und Kilts aufgebaut.
Ihm graut es davor...
... dass ich meinen Pass zeigen und aufs Amt gehen muss,
um eine Erlaubnis zu erhalten, hier zu bleiben zu dürfen.
Das ist schade.
Und nicht nur das.
Weil er seine Ware komplett aus Schottland bezieht,
fürchtet er auch wirtschaftliche Nachteile.
Der Gedanke, dass wir alles über umständliche bürokratische Wege
verzollen müssten, das ist für mich Horror.
Heimlich hofft der Schotte daher,
dass seine Landsleute sich bei einer erneuten Volksabstimmung
für die Unabhängigkeit entscheiden und er so Europäer bleiben kann.