machen?
Ich hab eines Tages einen Anruf bekommen und hab ihn angenommen und ja gesagt und dann
haben wir uns in einem Restaurant getroffen und uns Ideen hin und her geworfen.
Das war eigentlich eine ganz generelle Unterhaltung. Aber auch ein bisschen historisch und es ging um Energie und all sowas.
Wir haben dann festgestellt, dass wir eine recht ähnliche Energie hatten.
Also haben wir uns dann nochmal getroffen und weiter mit musikalischen Ideen gespielt.
Wir haben unsere Gitarren genommen und angefangen, zu spielen.
Und wir waren der Meinung: „Lass uns etwas daraus machen!“
Und das haben wir dann letztendlich getan.
Ja, es kam alles auf sehr organischem und natürlichem Wege zusammen.
Es beginnt damit, dass sich zwei Leute treffen und spontan etwas entsteht, Dinge passieren.
Ich denke, dass wir beide die Sorte Mensch sind, die Dinge verfolgen, wenn sie Potential
haben.
Wenn es da nichts gibt, dann würden wir beide sagen: „Okay, danke.
War nett, tschüss!“
Habt ihr ein gemeinsames Interesse an der polnischen Szene?
Ich meine bewegt ihr euch in den gleichen Kreisen?
Absolut nicht, nein.
Ich würde eher sagen, dass wir uns in gegensätzlichen Kreisen bewegen.
Ich denke, dass es da definitiv bestimmte Plattformen gibt, die wir beide nutzen.
Gemeinsamkeiten gibt’s da schon.
Aber Unterschiede halt auch.
John hat seine eigenen Hintergründe, die sehr eindrucksvoll sind, das ist wirklich
groß.
Historisch sogar.
Ich hab ebenfalls meine eigene Geschichte, die ich noch schreibe.
Es gibt sein Genre und mein Genre und dann gibt es halt trotzdem etwas, was wir gemeinsam
haben.
Und das ist der Grund, warum wir zueinander gefunden haben.
Aber das Wichtigste ist das, was wir darüber hinaus tun.
Wir kommen von unterschiedlichen Punkten.
Und ich denke, dass das der Faktor ist, der die Kollaboration erst funktionieren lässt.
Anders ist es, wenn man genau aus der selben Richtung kommt.
Das würde echt langweilig werden, oder es könnte es zumindest werden.
Wo du das gerade ansprichst: War es für dich und euch so, als würden zwei Welten aufeinander
prallen, oder hattet ihr beide ohnehin das gleiche musikalische Vokabular, wenn man so
will?
Ich denke, dass das musikalische Vokabular, das wir beide haben, recht ähnlich ist, aber
wir haben natürlich nicht den gleichen Geschmack.
Trotzdem gibt es Künstler, die wir beide gut finden und auf die wir uns einigen können.
Das hat uns bei der Zusammenarbeit natürlich sehr geholfen, da wir mehr oder weniger am
gleichen Ort rauskommen konnten.
Man sollte da aber nicht zuviel Ideologie dahinter vermuten.
Wir sind nur zwei Typen, die ihre individuellen Erfahrungen zusammen an einen Tisch bringen
und irgendwie funktioniert das dann.
Ich weiß natürlich, dass die Kommunikation nach außen hin wichtig ist, darum müssen
wir so ein paar Namen raushauen, damit die Leute wissen, worum es geht.
Aber im Gespräch miteinander müssen wir beide das nicht tun.
Wir setzen uns nicht zusammen und sagen: „So, lass uns einen Johnny Cash Klon machen!“
oder „Lass uns einen Nick Cave Klon machen!“
Nein!
Natürlich sind die beiden offensichtliche Inspirationen für uns, die es schon immer
gab, das waren sie schon immer.
Aber im Grunde ist es ganz einfach: zwei Typen, zwei Gitarren, zwei Stimmen und sie machen
Songs zusammen.
Es ist extrem einfach.
Ich verstehe, dass man da ne Geschichte draus machen will, aber die Geschichte ist überraschend
und vielleicht auch enttäuschend. Enttäuschend einfach!
Gestern hatten wir ein Gespräch mit einem anderen Journalisten und er hat wirklich versucht, eine Geschichte darum zu spinnen.
Das wars? Das ist alles?
Du bekommst das, was du siehst.
Ich konnte leider nicht rausfinden, wie lange ihr euch beide denn schon kennt...
Du meinst, wie lange wir uns schon auf die Nerven gehen?
Na wenn du es so ausdrücken willst...
Schon eine sehr lange Zeit...
Nein, wir kennen uns, seitdem dieses Projekt schon läuft.
Ah, okay.
Denn was ich mich gefragt hatte, nachdem ich gelesen habe, dass du in den 70ern nach Polen
gezogen bist
Ja, das war kurz nach dem zweiten Weltkrieg
Zusammen mit drei Dinosauriern aus Großbritannien.
Die Dinosaurier meinten: „John, kommst du mit?“
„Ja, wartet auf mich!“
Worüber ich nachdenken musste war, dass ich ja nur eine externe Sicht auf die Dinge habe,
die in Polen so passieren und deine Stellung in der polnischen Gesellschaft, die ja recht
kontrovers sein soll.
Ich weiß nicht, wie aktuell das immernoch ist.
Aufgrund deines Glaubens, deiner Einstellung.
Wie gesagt, ich weiß nicht, wie sich das momentan noch verhält, wie gesagt, ich kann
da nur von außen drauf blicken.
Weißt du, es ist sehr einfach, in Polen kontrovers zu sein.
Sei du selbst, sag das, was du denkst und sprich es laut aus.
Das ist es im Grunde schon.
Sobald du das machst, bist du kontrovers und hast Scheiße am Bein, weil die Leute deinen
Arsch und deine Freiheit wollen.
Besonders jetzt.
Besonders jetzt, wo die politischen Zustände recht gefährlich sind.
Inquisition, wie zu Zeiten der Inquisition.
Es ist echt unangenehm.
Besonders für Freidenker und Leute, die die Freiheit lieben, so wie wir.
Aber es ist, wie es ist.
Ich liebe meine Heimat, ich liebe Polen.
Es gibt diesen Patriotismus, der einfach nur beschissen ist, aber wenn ich patriotisch
bin, dann...
Es muss nicht beschissen sein, es heißt, du liebst dein Land, aber natürlich gehst
du nicht mit der Ideologie einher, die ist Scheiße!
Ja, ich meine es gibt diese Hooliganmäßige Auffassung davon, was Patriotismus ist.
In Polen ist das eine riesige Bewegung.
Es ist in Europa gerade so, dieser plötzliche Rechtsruck.
Gott, dass ist nur zum verrückt werden.
Das sehen wir nicht gern, ums mal milde auszudrücken.
Tatsächlich ist das hier das erste Mal, dass Politik in nem Interview aufkommt, aber vielleicht
ist das auch mal ganz gut.
Solche Zeiten sind immer Treibstoff für Künstler.
Irgendwie profitierst du immer davon.
Es gibt ein Sprichwort: Es gibt immer einen Song darin.
Besonders wenn du mit jemandem Schluss machst oder so.
Wenigstens springt ein Song dabei raus.
Ja, so ist das wohl
Waruuuuuum?
Wie konntest du mich verlassen, Babe?
Wenn ich das Album höre, und das hab ich jetzt mehrfach getan, dann kommt da ein sehr
amerikanisches Gefühl auf, zumindest bei mir.
Ich musste an Künstler wie Tom Waits oder Johnny Cash oder so denken.
Ihr wisst schon.
Ich hatte das Gefühl, dass diese Musik in ihrem Kern ja sehr religiös konnotiert ist
Gab es da einen Konflikt dazwischen, diese Musik zu machen und auf der anderen Seite
deinen eigenen, anderen Glauben zu haben?
Absolut nicht, nein.
Denn, wie schon gesagt: die religiösen Dinge sind eher Referenzen zu einer Kultur, in der
wir alle groß geworden sind.
Wir sagen jeden Tag „Oh mein Gott!“
ohne darüber nachzudenken.
Das heißt nicht, dass wir religiöse Fanatiker wären.
Das bezieht sich eher auf die kulturelle Sphäre in der wir uns alle bewegen.
Aber abgesehen davon, dass ich ihn dazu bringen musste „Oh my Lord“ zu singen, gabs da
absolut keinen Konflikt.
Ja, aber auf der anderen Seite gibt es natürlich bestimmte Künstler, die christlich sind.
Sehr streng christlich sogar.
Da fallen mir so Namen wie Wovenhand oder 16 Horsepower ein, Johnny Cash natürlich
auch.
All die großen Countryikonen aus den USA sind dort immernoch ein Riesending.
Aber zuallererst wissen wir natürlich, wie man sowas voneinander trennt, wie man dabei
nicht zu emotional wird und die Person trotzdem liebt und verehrt.
Ich sehe da keinen Konflikt.
Ich habe einen anderen Glauben, oder Unglauben.
Ich musste an das Gleiche denken, als du sagtest, dass es einfach das einzig Wahre sei.
Ja, es geht immer um Ehrlichkeit und ich finde es total geil, wenn ich etwas sehe, dass bis
ins Mark offen und ehrlich ist, das ist wirklich cool.
Hat sich deine Sicht auf Metal verändert, oder hat sich deine Sicht auf Metal geändert?
Ich hab gar keine Sicht auf Metal, ich hör mir das gar nicht an.
Ich lebe gesund.
Nein, ich mach nur Spaß.
Lass ihn über Metal reden, ich glaub, das ist besser.
Nein, nein.
Es gibt hier Wertvolles und dort Wertvolles.
Das ist Musik und das ist Musik, und der Rest bezieht sich dann nur auf den Geschmack.
Vielleicht gefällts dir, vielleicht gefällts dir nicht.
Wie auch immer.
Hauptsache es sorgt dafür, dass du dich gut fühlst, es inspiriert dich.
Ich lebe Metal!
Ich lebe und atme und scheiße Metal. Das bin einfach ich.
Das ist ein neues Genre: Shit Metal!
Es gibt viel zu viel Shit Metal.
Es ist hier drinnen, aber es nimmt nichts anderes weg.
Ich meine innerhalb einer Person gibt es soviele Dimensionen und Schichten.
Du kannst sein, wer immer du sein willst.
Ich verteidige das wirklich, diese Einstellung.
Ich meine es gibt eine gewisse Komplexität in jedem Menschen und wir sollten das wirklich
annehmen und auch beschützen.
Am Ende des Tages sollte Musik die Menschen vereinen, nicht sie voneinander trennen.
Darum mag ich diese besondere Bühne, die sie auf dem Glastonbury haben so sehr.
Da hatten sie schon Dolly Parton oder Künstler dieser Größe.
Das ist super.
Einfach gut.
Und da gehen Tausende von Leuten hin und hören sich das an und finden es gut.
Das erstaunt mich.
Das ist wundervoll.
Ich persönlich mag es, auf Alternative Festivals zu gehen.
Es gibt da dieses Festival in meiner Heimatstadt, das nennt sich Open'er.
Die haben keine Metalbands, was eigentlich ein Fehler ist.
Sie sollten welche holen...
Eine Metal Stage ...nur um es auszugleichen, weißt du?
Slayer oder so jemanden, was solides.
Das wär großartig.
Aber dafür siehst du dort Interpol, oder Nick Cave.
Du würdest Slayer sehen, tust du aber nicht, du siehst PJ Harvey, Red Hot Chili Peppers.
Vielfalt, Abwechslung.
Ich liebe das, das find ich richtig gut.
Was also Festivals angeht, da hab ich sowas sogar noch lieber, als meine liebsten Metalfestivals.
Das Hellfest ist zum Beispiel unglaublich.
Ich liebe es dort und ich werde nächstes Jahr auch wieder dort sein, da ich mit Behemoth
dort spielen werde und vermutlich werde ich auch als Fan noch vor Ort bleiben.
Das mag ich wirklich.
Fühlt es sich für dich unterschiedlich an, diese unterschiedlichen Musikstile zu machen?
Ich meine in emotionaler Hinsicht?
Ja, ja, ja.
Es ist immer ein andere Prozess, es ist ein anderer Pfad.
Gleich ist natürlich, dass ich in beiden Fällen mit der Gitarre rumsitze und mit n
paar Riffs rumspiele.
Das ist so der Kern, aber ab da ist es anders.
Es ist runtergebrochen, es ist sehr einfach, hier und da ist es primitiv und ich mag es
genau aus diesem Grund.
Du setzt dich hin und schrammelst n paar Akkorde und erzählst eine Geschichte.
Das ist fantastisch und es ist auch befreiend, weißt du?
Als ich 25 war, wollte ich alles niederbrennen, es ging nur um soviele Riffs wie möglich.
Lass mich shredden, je mehr, desto besser.
Und je älter ich werde, nun ja, ich bin nich alt, aber irgendwo in der Mitte, desto weniger.
Immer weniger, halt dich zurück, entspanne, überdenke es erst, reflektiere, das ist echt super.
Ich wollte euch noch danach fragen, wie eure Zukunftspläne aussehen.
Das Album wird erscheinen, und dann tourt ihr ein bisschen, oder?
Ja, es sind einige Shows in Europa geplant und wir werden noch ein paar Videos veröffentlichen
und davon ernähren wir uns gerade ehrlich gesagt.
Ich lese all diese Kommentare und das ganze Ding ist Neuland für mich.
Mit Behemoth kann ich ungefähr voraus sagen, was passieren wird.
Und selbst wenn nicht, auch egal.
Ich kenne den Wert davon, wirklich.
Aber hier weiß ich das nicht wirklich.
Ich weiß, dass ich ehrlich bin, aber ich weiß nicht mal, ob ich wirklich gut darin
bin.
Ehrlich nicht.
Also verfolge ich alles und sammle Feedback.
Jedes Feedback, denn sogar schlechtes ist ja Feedback und das formt mich irgendwie.
Wie behandelst du das denn?
Wenn du Kommentare liest?
Was macht das mit dir?
Es ist ja auch für dich immernoch neu.
Was Kommentare anbelangt, da bin ich sehr achtsam, denn es gibt viele...
Naja, das Internet ist ein Ort, der auch für Leute gemacht wurde, die hassen.
Und manchmal verkommt es zu einer öffentliche Toilette.
Aber wenn du Kommentare von Leuten liest, von denen du weißt, dass sie dir folgen
und du ihre Perspektive erkennst, dann wird es doch sehr wichtig.
Man ist dann daran interessiert, was sie denken und wenn sie etwas negativ sind, dann macht
man sich doch Gedanken.
Aber ich denke wir sollten das auch nicht zu sehr beachten, die Hauptsache ist, dass
du dabei bleibst und es einfach durchziehst.
Das ist für mich so oder so das Wichtigste.
Aber wenn es positiv ist, ist es natürlich immer schön.
Es munterst dich auf, die fühlst dich dadurch besser.
Aber das ist vermutlich auch ein bisschen Eitelkeit, das da mitschwingt.
Okay, Jungs.
Das wärs schon von meiner Seite aus.
Danke dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt.
Die letzten Worte gebühren euch, wenn ihr wollt, wenn ihr...
Weise sein wollt.
Das ist gut, das gefällt mir.
Denkt selbständig. Immer!
Und genießt Me And That Man, letztendlich.
Während ihr selbständig denkt.
Vielen Dank!
Während ihr selbständig stinkt? Selbständig stinkt.
Vielen Dank.
Das ist gut, das gefällt mir.
Denkt selbständig und genießt Me And That Man, letztendlich.
Während ihr selbständig denkt.
Vielen Dank!
Während ihr selbständig stinkt?
Selbständig stinkt.
Vielen Dank.