Mit diesem Gadget werden auch Sie zum Graffiti-Künstler.
Ganz ohne Sprayer-Kenntnisse!
Ob ein Handyfoto oder dasPortrait von Albert Einstein - alle Motive können an die Wand
gesprüht werden.Wie das funktioniert, unser Reporter Maurice hat den Sprayprinter getestet.
Das ist gerade DER neueste Trend: Damit wird Graffiti-Sprühen zum
Kinderspiel.
In kürzester Zeit können ganze Häuserwände fotorealistisch
besprüht werden.
Doch taugt die Anwendung auch für Zuhause?
Berlin - die Sprayer-Szene der Hauptstadt ist weltweit bekannt.
UnzähligeGraffitis zieren ganze Fassaden.
Hier will unser Reporter Maurice Gajda die Erfinder des Sprayprinters treffen.
Richard und Uku kommen aus Estland, sind gerade zum Sprayen in der Hauptstadt.
„Hi!“
„Hallo!“
„Das bin ich!“
„Stimmt!
Die Punkte werden ein komplettes Bild von dir ergeben -
offensichtlich.“
Mit der Erfindung der beiden Unternehmer Richard Murutar und Uku Pira kann man jedes beliebige
Motiv einfach an die Wand sprühen.
Pixel für Pixel entsteht das eigene Kunstwerk.
Jeder soll mit der Technik umgehen können, denn der Sprayprinter weiß genau, wo er Farbe
abgeben muss und wo nicht.
Man fungiert also nur noch als eine Art Drucker.
„Dieser Aufsatz auf der Spraydose, das ist der Sprayprinter.“
Ein Portrait von Maurice soll es heute werden.
Dafür benötigen Richard und Uku ihr Smartphone mit der APP, eine
Stromversorgung für das Handy, ein Stativ und eine Smartphone-Halterung.
In der zugehörigen App bearbeitet man zunächst
das Foto, richtet Stativ mit Handy aus.
Die Anwendung berechnet dann, an welche Stelle der Wand der Sprayprinter Farbe sprühen muss.
Nun muss der Sprayer die Wand Linie für Linie abfahren und der Printer setzt Punkte.
Die ergeben dann aus der Entfernung das Bild.
„Ich sehe also schon mein Gesicht auf dem Handy, wie es später an der
Wand aussehen wird.“
„Ja.“
Wenn die Spraydose gedrückt wird, zeigt das ein kleines LED-Licht.
Die Handykamera erfasst das Licht und ortet die
Position.
Smartphone und Sprayprinter sind per Bluetooth verbunden.
Die App entscheidet nun, ob an die Stelle Farbe kommt oder nicht und sendet ein Signal
an den Sprayprinter.
An den entsprechenden Stellen wird automatisch gesprüht.
So entsteht Pixel für Pixel ein Bild - genau wie bei einem Drucker.
„Man macht das also so?“
„Du hältst es an die Wand und bewegst es einfach.
Die Farbe erscheint nur dort, wo sie hin soll.“
Die Idee zu dieser Technik hatte ein Freund von Richard: Mihkel
Joala.
Seine Tochter wünschte sich ein Einhorn an die Kinderzimmerwand, doch der Papa war künstlerisch
unbegabt.
Und so entwickelte Mihkel den ersten Sprayprinter-Prototyp.
In zwei Crowdfunding-Kampagnen sammelte er über 120.000 Dollar, um das Produkt entwickeln
zu können.
Das estnische Unternehmen gewann zahlreiche Preise in der internationalen Startup Szene.
Vor allem mit diesem Albert Einstein Portrait machten die Erfinder auf ihren Printer aufmerksam.
„Es ist vier Stockwerke hoch, wie habt ihr DAS geschafft?
Unglaublich!“
„Der 100-Quadratmeter-Einstein hat fünf Stunden gedauert und drei
Farbdosen verbraucht.
Das ist revolutionär!“
„In fünf Stunden eine ganze Wand!“
„Ja.“
Na gut, für die Häuserwand haben die Erfinder einen automatisierten
Sprayprinter benutzt.
Das war der Prototype vom aktuellen Modell.
Heute entsteht das Bild per Fingerkraft.
Das einzigartige System lockt auch andere Sprayer an.
Gut so, schließlich sind die Esten auf Promo-Tour.
„Ich habe soetwas noch nie gesehen.
Ich habe die Technik nicht verstanden am Anfang.
Das finde ich als Konzept ziemlich cool.
Vor allem auch für größere Sachen.“
Doch was ist mit kleiner und innen?
Wir wollen den Sprayprinter in einer Wohnung testen.
Maurice will seinem Arbeitszimmer einen neuen Look
verpassen.
Funktioniert das Gadget auch in Innenräumen?
Und kann es auch ein Anfänger bedienen?
„Mein Gesicht ist fast fertig und ich bin fasziniert.
Man kann quasi fast jedes Bild überall hinsprühen.
Draußen und auch drinnen.
Es ersetzt vielleicht sogar die klassische Wandtapete und macht es eine Spur cooler.
Und das will ich jetzt mal testen.“
Bevor es losgeht, braucht Maurice natürlich noch das passende Spray.
Das findet er im Sprayer-Shop.
Doch auch Online oder im Baumarkt gibt es passendes Equipment.
Es gibt eine riesige Auswahl, doch für den Sprayprinter eignen sich am besten Farben
auf Wasserbasis.
Diese können sogar Kinder benutzen.
„Die sind sicher, man braucht keine Schutzmaske und man kann sie
drinnen benutzen.“
Maurice weiß bereits, welches Motiv er sprayen will, und kauft dafür vier
verschiedene Farben für 20 Euro.
Dann geht es zu ihm nach Hause.
04:50 O-Ton Maurice „Ich habe mir jetzt die App runtergeladen,
um das Photo gleich an meine Wand zu sprühen.
Aber vorher muss ich das Foto bearbeiten und das
mache ich an meinem Rechner.
Ich lade das Foto auf die Homepage des Sprühers hoch, dann kann ich es bearbeiten,
kann Helligkeiten und unterschiedliche Farbstufen einstellen - je
nachdem was ich an meiner Wand am Ende haben möchte.
Und wenn ich das bearbeitet habe, packe ich es einfach zu meiner Auswahl und dann
erscheint es hier in der App und los gehts.“
05:15 Die App gibt es für Android sowie iPhone.
Wichtig: Möbel und Boden am besten vor ungewollten Farbspritzern schützen.
Und abdunkeln hilft - so kann das Handy das LED Licht besser erkennen.
Jetzt noch das Smartphone auf ein Stark, Tanja Seite 7 von 12
Stativ - mit ausreichendem Abstand zur Wand.
05:32 O-Ton Maurice „Das ist also mein Motiv.
Jetzt kann ich es hier positionieren, sehe es
direkt auf der Wand.
Wenn alles richtig ist, so wie ich es haben möchte,
fange ich an und die App sagt, zuerst fange ich mit Orange an, also
sprühe ich mit Orange.“
05:46 Los geht's!
300 Euro zahlt man online für den Sprayprinter.
Auf der Homepage kann man sich Vorlagen kostenlos downloaden
oder Sprayprints anderer Künstler kaufen.
Das Ventil der Dose öffnet sich nur, wenn diese an der richtigen Position ist.
Der Sichtkontakt zur Smartphonekamera darf daher nicht blockiert werden.
06:09 O-Ton Maurice „Im Moment kann ich mir noch nicht vorstellen,
dass das hier mal der Fernsehturm werden soll.
Das sind bisher nur ein paar Punkte an meiner Wand.“
06:16 Die Punkte haben aber System.
Man kann sich das als eine unsichtbare Projektion eines Beamers vorstellen.
Unser Fernsehturm ist grafisch auf drei Farbebenen reduziert: orange, hell- und dunkelgrau.
Diese Ebenen werden nacheinander abgearbeitet.
Durch das LED-Licht an der Dose weiß das Smartphone immer, an welcher
Stelle im Foto Maurice gerade ist.
Und macht einen Punkt oder nicht.
06:44 Stark, Tanja Seite 8 von 12
Maurice sprüht geduldig Linie für Linie.
So ein Bild besteht immerhin aus tausenden von Punkten.
Auch unser Filmteam muss sich in Geduld üben.
Allein die erste Farbschicht dauert 45 Minuten.
06:59 O-Ton Maurice „Es sieht glaube ich einfach aus, aber nach
einer Weile wird die Hand einfach wahnsinnig schwer, weil natürlich
der Printer und auch die Dose im Printer ordentlich was wiegen und man muss
sehr genau sein.“
Zeit für den Farbwechsel.
Die App berechnet, an welche Stellen die neue Farbebene gesprüht werden muss.
Die Schwierigkeit besteht nun darin, die vorherige Farbschicht nicht zu
verwischen.
„Jetzt wird es auf jeden Fall spannend, denn jetzt kommt die zweite Ebene
mit dem Grau und die sprühe ich ja zu Teilen auch über das Orange.
Mal schauen, wie das funktioniert.“
Maurice ist mittlerweile am Ende seiner Kräfte: Er braucht eine Pause.
Unser Kameramann muss einspringen.
Ganz so einfach scheint es also doch nicht zu sein...
Nach einer kurzen Pause geht es mit der letzten, hell-grauen Farbschicht
weiter.
Nach und nach ergeben die Punkte ein Bild.
„So richtig perfekt ist das ja nicht.
Ab und an kommt ein Punkt raus, der sitzt nicht ganz auf der vorgesehenen Linie.
Aber dadurch wird das Ganze natürlich auch einzigartig, denn so ein Bild
hat niemand anderes zu Hause.“
Genauigkeit ist gefragt.
Man muss mit dem Printer wirklich über jeden Bereich
der Wand fahren.
Sonst werden Teile des Bildes nicht gesprüht.
„Also irgendwie fehlt mir hier der Schatten, den sieht man nicht so gut
sowie die Fensterreihen in der Kugel selbst.
Die erkennt man eigentlich auch gar nicht.
Also ein bisschen nacharbeiten würde ich da jetzt
nochmal.“
Genau für solche Fälle gibt es beim Sprayprinter einen Freihandmodus.
Mit einem Knopf kann man selber bestimmen, wo
gesprüht werden soll.
Nach drei Stunden harter Arbeit beendet Maurice sein Werk.
„Also, wenn einmal ein Punkt daneben geht, dann kann man den ja auch
entfernen.
Wichtig ist, dass man irgendwann den Zeitpunkt findet, an dem
man aufhört, weiter daran zu arbeiten, denn es wird nicht besser.
Klar, es sieht jetzt nicht ganz so aus, wie auf der
Vorlage.
Aber ich bin ziemlich stolz und ich muss sagen, für die Premiere
sieht das echt klasse aus.“
Der Sprayprinter ist also nicht perfekt, aber tatsächlich etwas für die Wand
Zuhause.
Mittlerweile sind auch die beiden Profis mit Maurice’ Wandportrait fertig.
„Wow!
Ha Ha Ha Ha ...das ist gross....“
Maurice fehlen die Worte ... „Toll!“
„Ich muss das von weiter weg sehen!“
Es unterscheidet sich deutlich von herkömmlichen Graffitis.
Und Maurice Fazit?
„Die zwei Experten sind fertig mit dem Bild aber der Sprayprinter ist
definitiv auch was für den Anfänger, man braucht allerdings etwas Geduld
und auf jeden Fall auch Zeit.
Wenn man nur einmal etwas an die Wand bringen möchte, dann ist vielleicht doch
die klassische Wandtapete besser aber wer sich kreativ Zuhause ausleben
will, der sollte unbedingt mal die Sprühdose probieren.“
Im Herbst kommt eine neue Version vom Sprayprinter auf den Markt.
Damit kann man dann Bilder in HD-Qualität an die
Wand bringen.
Die sind dann noch feiner und brillanter als unser Portrait von
Maurice!
Kaum zu glauben, oder?