und nur knapp 40 Euro nach Barcelona.
Reisen mit dem Fernbus sind einfach unschlagbar günstig.
In Deutschland ist eine Firma damit zu einem Reisegiganten geworden.
Aber wie haben die das eigentlich geschafft, dass wir
heute so billig Busfahren können?
Fernbusfahrten boomen.
Der Marktführer in Deutschland: Flixbus.
Die Firma steuert in der Bundesrepublik über 90 Prozent aller
Fernbusverbindungen: 150.000 pro Tag mit 1000 Zielen in ganz Europa.
Alles nur, weil vor vier Jahren drei Jungs an eine Idee geglaubt haben.
Hier sind vier Gründe, warum Fernbusfahrten so günstig sind.
Für die meisten der über 20 Millionen Passagiere pro Jahr gibt es nur ein
Argument, warum sie mit Fernbussen fahren: Der Preis.
Klar, wer für 28 Euro von Berlin zum Bodensee kommt oder für 15
Euro von Hamburg nach Göttingen, will günstig reisen.
Es ist halt preiswert und es geht relativ gut, fahren oft.
Vorher bin ich oft Mitfahrgelegenheit gefahren, aber dann ist das ja immer
schwieriger geworden wegen rechtlichen Geschichten.
Praktisch, verlässlich und vor allem BILLIG - Bahn oder Flugzeug können bei
den Preisen nicht mithalten.
Für die Strecke Köln nach Berlin wirbt die Firma mit
einem Ticketpreis von knapp 15 Euro.
Doch den zahlt nur eine Handvoll Passagiere.
Der Rest zahlt mehr.
Der Grund: Das Preissystem.
Zur Erklärung nehmen wir als Beispiel die Verbindung von Köln nach Berlin.
Einen kleinen Teil der Plätze gibt‘s zum Angebotspreis für knapp 15 Euro.
Sind diese Plätze aber bereits von anderen gebucht, wird’s teurer.
Im Schnitt sind es in unserem Beispiel etwa 30 Euro - also etwa das doppelte
des Angebotspreises.
Und ist eine Fahrt besonders gefragt - zum Beispiel an Wochenenden oder in
den Ferien - kann der Preis auch schon mal für Strecke Köln nach Berlin auf
rund 50 Euro klettern, also etwas mehr als das Dreifache.
Je höher die Nachfrage, desto teurer werden die Tickets.
Nur wer früh bucht, bekommt auch den Angebotspreis.
Ein System, wie es auch zahlreiche Airlines nutzen.
Mehr als 1000 Menschen arbeiten für das Münchner Unternehmen.
Und er ist einer der drei Chefs: Daniel Krauss.
Vor vier Jahren wollte der damals 29-jährige mit zwei Freunden etwas Eigenes
hochziehen.
Jeden Freitag machten sie sich Gedanken und hatten irgendwann
eine Liste mit 50 verschiedenen Geschäftsideen.
Ich weiß nicht mehr ob‘s 50 waren, es ist allerdings so, dass wir
unbedingt unternehmerisch tätig werden wollten, und sehr viele Ideen
durchdiskutiert haben.
Angefangen von Rollstühlen bis hin zu Stricksocken war vieles dabei.
Die Entscheidung, ins Busgeschäft einzusteigen, traf sein Mit-Geschäftsführer -
dank der Bundestagswahl 2013.
So wie du und ich vielleicht Romane lesen würden, hat er den
Koalitionsvertrag gelesen und kam dann ums Eck und hat gesagt, hier die
Busse werden liberalisiert.
Heisst: Eine Änderung des Beförderungsgesetzes sorgt dafür, dass seit 2013
auch private Unternehmen Fernbusfahrten anbieten dürfen.
Davor durfte das - mit wenigen Ausnahmen - nur die Bahn.
Die drei Freunde steigen ins Busgeschäft ein.
Von anderen Firmen unterscheidet sie ihr Preissystem: Mit seinem
Team schreibt Daniel einen Algorithmus - eine Art Computercode.
Der rechnet die Preise nach Angebot und Nachfrage aus.
Ist dieses Preissystem Grund Nummer eins für den Erfolg?
Definitiv.
Das ist auch der Technologieaspekt.
Das Preissystem, das machen wir ja nicht irgendwie mit Block und
Bleistift sondern wir haben so ungefähr 150 Softwareingenieure die an
unseren Werkzeugen - und das ist das Preissystem, der Algorithmus dahinter
und das ist genau die Technologieseite mit dem wir erfolgreich werden
konnten.
Doch günstige Preise allein reichen natürlich nicht.
Das Angebot muss stimmen - in diesem Fall die verschiedenen Verbindungen.
1000 Städte in ganz Europa fahren die Busse täglich an.
Der Vorteil: darunter sind Ziele, die sonst mit öffentlichen Verkehrsmitteln
nicht ohne Umsteigen erreichbar sind.
Denn nicht überall gibt es Flughäfen und nicht überall hin gibt eine direkte
Schienenverbindung.
Dass die Busfirma heute über 150.000 Verbindungen am Tag anbietet, war
allerdings ein harter Kampf.
Denn nach der Änderung des Gesetzes streiten viele Unternehmen um die Gunst der Kunden.
Das waren am Anfang fast kriegsähnliche Zustände.
Wir hatten mit der Post, mit der deutschen Bahn, National Express
und Megabus ganz viele die einfach nur wie beim Goldrausch damals
in den USA in den Markt sind und völlig unkalkuliert irgendwas angeboten
haben, ob es die Kunden wollten oder sich vom Preis her tragfähig
dargestellt hat.
Da mussten sich alle gegeneinander positionieren, da wurde
mit harten Bandagen gekämpft.
Dank des ausgeklügelten Preissystems arbeitet sich Daniel Kraus mit seinen
zwei Partnern an die Spitze.
Sie übernehmen viele andere Firmen und deren Verbindungen.
Ein großes Netz sorgt für günstige Preise - Grund Nummer 2.
Aber reicht das den Passagieren schon?
Also mir sind schon wichtig, ein gemütlicher Sitz.
Im besten Fall nicht überfüllt, aber das ist halt auch schwierig.
Toiletten sind immer fein, Internet, WLAN ein ganz wichtiger Punkt für die
Unterhaltung.
Bei so günstigen Preisen halten sich die Ansprüche der Passagiere in Grenzen.
Trotzdem ist der Busfirma nicht egal, wie ihre Kunden von A nach B kommen.
Es gibt mehr Sitzabstand als bei anderen …, Toiletten …
und das wichtigste für die meisten Passagiere: eine Internetverbindung.
Klingt nicht nach großem Aufwand.
Bleibt in Punkto Ausstattung alles, wie es ist?
Wir versuchen auf einigen Strecken wo Geschäftsreisende sind hier oder
da einen Businesssitz zu pilotieren und wir gucken uns natürlich an, wie
auch in Südamerika Schlafsitze angenommen werden.
Aktuell glauben wir, dass der Markt noch nicht soweit ist, dass der Kunde
dafür bereit ist, das zu bezahlen.
Eine Business-Class oder Luxus-Schlaf-Busse gibt es also so bald noch nicht.
Kunden haben aber keine großen Ansprüche an Service und Ausstattung.
Als Transportmittel sind Busse im Vergleich zu
Bahn und Flugzeug auch etwas einfacher zu warten.
Mit ein Grund, warum die Firma so erfolgreich und die
Tickets so günstig sind?
Ich glaube, dass Produkt als solches gegenüber dem Kunden ist
einfacher.
Oder wir haben es einfacher gemacht.
Wir haben den Bus quasi wieder sexy gemacht, ne.
Du musst nicht so oft umsteigen, der Busfahrer hilft dir beim Gepäck, dann gibt’s Internet
an Bord, wenn die Netzabdeckung zumindest stimmt und dann gibt’s
ein bisschen Service - die Erfahrung mit dem Bus haben wir einfach
gemacht.
Ein bewährtes Transportmittel gut verkauft - Grund Nummer drei, warum die
grünen Busse so günstig sein können.
Die Firma wächst ständig - seit wenigen Wochen fahren ihre Busse auch in
Dänemark.
Dort treffen wir treffen Jess Abildskou.
Er ist Inhaber einer Busfirma und rüstet gerade seine Busse
um.
Die größte Veränderung ist eigentlich das, was wir hier sehen.
Wir müssen die alte Folie abmachen und die Farbe ändern.
Und das ist eigentlich auch schon alles - alte Folie runter und neue drauf.
Und das ist der cleverste Schachzug der Firma: sie besitzen gar keine
EIGENEN Busse.
Sie beauftragen existierende Busunternehmen, bestimmte
Strecken für sie zu fahren.
Die tragen damit die Verantwortung für Wartung und
Transport.
Den Überblick behält die deutsche Firma dank eines bestimmten
Navigationssystems in jedem Bus.
Per GPS wissen die Mitarbeiter so jederzeit, wo welcher Bus ist, wo es Staus gibt und wie
schnell er fährt.
Hat ein Bus Verspätung, gilt folgendes: Verzögert sich die Abfahrt um mehr als
90 Minuten, müssen die Busbetreiber Imbiss und Getränke anbieten.
Bei über 120 Minuten muss die Firma eine alternative Fahrtmöglichkeit anbieten
oder den vollen Preis erstatten.
Das gilt allerdings nicht, wenn die Verspätung durch extrem schlechtes Wetter
oder Naturkatastrophen entsteht.
Für die Pünktlichkeit der Busse sind die Subunternehmer verantwortlich.
Und das ist noch nicht alles: Sie kümmern sich auch um die Technik und
Wartung der Busse.
Zusätzlich müssen sie auch für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften von
Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer sorgen.
Klingt nach ziemlich viel Verantwortung.
Das ist Teil des Deals, wenn man mit Flixbus zusammenarbeitet.
Aber die haben ein großes Team, um Tickets zu verkaufen und bringen mir
so mehr Kunden.
Das ist ihr Part und unserer ist es, alles am Laufen zu
halten.
Alles, was mit den Bussen selbst zu tun hat, liegt in der Verantwortung der
sogenannten ‚Buspartner‘.
Flixbus sorgt für Werbung und den Verkauf der
Tickets.
Geteilte Verantwortung und Arbeit - mit ein Grund, warum die Firma so groß
werden konnte?
Ja.
Definitiv.
Ich glaube, wenn man alles selbst macht, dann kann man
sich nicht auf seine Stärken konzentrieren.
Da heißt, das Partnermodell, die Zusammenarbeit mit unseren mittelständischen
Buspartnern war auch definitiv ein Faktor des Erfolgs.
Ein ausgeklügeltes Preissystem, ein riesiges Netz,
überschaubare Ansprüche von Kunden sowie geteilte Aufgaben und Verantwortung.
Ein gut funktionierendes System - damit wir so günstig reisen können, wohin wir
wollen.