glaube nicht, dass er existiert..." "Alles klar...und was denkt ihr?"
"Das gleiche, was er gesagt hat...Yeah."
„In Deutschland weiß es jedes Kind, doch Millionen Amerikaner glauben nicht, dass wir
Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind! Unfassbar...doch noch unglaublicher
ist warum sie das denken! Es liegt nicht nur an mangelnder Bildung oder
Ignoranz – etwas anderes steckt dahinter: Kohle und Kohle! Wir finden heraus: Warum
glauben so viele Amerikaner nicht an den Klimawandel?!“
Millionen Amerikaner glauben nicht, dass Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind:
Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Land der Klimawandel-Skeptiker!
Wieso denken die Amerikaner darüber anders?
Wir zeigen die drei Big Player, die dafür verantwortlich sind!
Unsere Recherchereise beginnt im US-Bundesstaat Wyoming. Hier sind extremes Klima, Wind und
Dürre ein Problem für die Landwirtschaft.
Doch die Wirtschaft hängt von etwas anderem ab: Kohle! Hier fördert man mit Abstand die
meiste in den USA - mehr als die nächsten sechs Staaten zusammen. Wyoming produziert
über ein Drittel der amerikanischen Kohle. Deshalb sind wir hier.
Gillette. Die selbsterklärte "Energie-Hauptstadt der Nation". 92% haben für Donald Trump gestimmt.
Angeblich ist es die Klimawandel-Skeptiker-Stadt der USA.
„Klimawandel? Von mir aus könnte es noch wärmer sein..."
"Was wir machen zählt, klar...aber, du weißt schon, es gab die Eiszeit und das Klima hat
sich schon immer verändert." "Ich denke nicht drüber nach, ich denke wirklich
nicht daran. Es ist ein Mythos, aber das ist nur meine Meinung."
"Was denken hier die meisten?" "Wir denken das wohl alle. Wir sind Minenarbeiter...."
Unglaublich! Dabei ist bewiesen, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich
ist: Das Klima hat sich schon immer verändert
– in Millionen Jahren. Heute verändert es sich in wenigen Jahrzehnten.
Der Grund: Indem wir fossile Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl verbrennen, erzeugen wir
zu viel CO2. Das ist ein Problem:
Die Erdatmosphäre lässt Sonnenstrahlen fast ungehindert durch. Die Erde reflektiert diese
Strahlen dann. Gase in der Atmosphäre nehmen die Strahlung auf und schicken Wärme zurück.
Ein natürlicher Prozess...
...unnatürlich wird es, wenn sich zu viel CO2 in der Atomsphäre sammelt: Dann strahlt
zu viel Hitze zur Erde zurück! Der Planet erhitzt sich, Dürren und Überschwemmungen
nehmen zu...Klimawandel, verursacht von uns Menschen!
Die Folgen für unseren Planeten sind enorm. Und die Bewohner Gillettes stehen mit ihrer
Anti-Haltung nicht allein da: Nur rund die Hälfte der Amerikaner glaubt, dass Menschen
für den Klimawandel verantwortlich sind. Wie kann das sein?
Um das zu verstehen, müssen wir die Leute kennenlernen. Wir treffen Alec Laub [engl.
ausgesprochen]. Seit elf Jahren wohnt der Minenarbeiter in Gillette.
"Ich liebe meinen Job als Wartungselektriker. Ich diagnostiziere elektronische Probleme
in den Systemen der Trucks oder an der Steuerung der Schaufeln..."
Alec sorgt also dafür, dass das Graben nach Kohle rund um die Uhr reibungslos stattfindet.
Gestern hatte er Nachtschicht, das ist also sein 14-Uhr-Frühstück...
In seiner Freizeit ist Alec tatsächlich am liebsten in der Natur unterwegs. Gemeinsam
mit seiner 14-Jährigen Tochter. Sobald das Wetter mitspielt, sieht man die beiden am
Schießstand unter freiem Himmel. Nach einer zwölf Stunden Schicht bis sechs
Uhr morgens, ist das für Alec die beste Art zu entspannen.
"Ich mag die Umwelt, ich bin ein Outdoor-Fan. Ich will Bäume sehen oder in die Berge fahren
und so...und ich will, dass meine Tochter das genießen kann. Aber ich möchte keine
Einschränkungen für eine gute Industrie, die sie zu einer schlechten Industrie machen
wollen. Klimawandel findet zwar statt, aber nicht so schnell wie behauptet wird...
Ich denke, es finden Veränderungen statt... aber ich glaube, der Planet findet einen Weg,
das selbst zu korrigieren. Er wird die Dinge zurück ins Gleichgewicht bringen."
Wow: Klimawandel ist für Alec also keine wirkliche Bedrohung...und nicht unbedingt
etwas, wofür Menschen verantwortlich sind. Eine Meinung, die viele in Gillette teilen.
Ihre Gemeinsamkeit: Sie arbeiten für unseren ersten Big Player: Kohleminen! Welche Rolle
spielen die beim Zweifel am Klimawandel?
Wir verlassen die Stadt und fahren rund 20 Minuten durch die Steppe. Unser Ziel: Die
Dry Fork Mine! Kohle im Wert von über 200 Millionen Dollar
setzt die gemeinnützige Mine jedes Jahr um - kein Wunder, dass die Anlage abgesichert
ist.
"Hallo, wir sind mit Dave Green verabredet."
Den Termin haben wir Wochen vorher vereinbart, trotzdem müssen wir zahlreiche Formulare
ausfüllen. Erst dann dürfen wir in den Hochsicherheitsbereich.
"Willkommen in der Dry Fork Mine."
Dave ist hier Leitender Ingenieur.
"Warum sie "Clackers" heissen? Du merkst es, sobald du sie anhast."
Für Dave hat unsere Sicherheit oberste Priorität - aber auch die Sicherheit der Umwelt?
Die Gerätschaften sind ein paar Nummern größer: Rund sechs Millionen Dollar kostet ein solches
Gefährt. Ein einzelner Reifen ist rund 40.000 Dollar wert.
Im großen Stil bewegt man hier jeden Tag tausende Tonnen Erdmasse. Der erste Arbeitsschritt
ist hochexplosiv:
"Gleich gibt’s eine Schuttexplosion. Wir benutzen Sprengstoff, um alles aufzulockern,
damit Lader und Trucks arbeiten können. Da drüben, 600 Meter weiter, gibt es gleich
36 Löcher! Wir haben noch ungefähr eine Minute Zeit, wir kriegen per Funk Bescheid."
So produziert die 40 Quadratkilometer große Mine jedes Jahr sechs Millionen Tonnen Kohle.
"Wir betreiben Tagebau, eine Mine an der Oberfläche. Wir tragen die oberste Bodenschicht ab und
fördern Kohle aus der Schicht darunter. Dann füllen wir das Loch hinter uns wieder mit
Erde auf. Das Loch bewegt sich. Wir bepflanzen alles wieder. Das ganze Gebiet da drüben
war mal eine Mine und wurde dann renaturiert."
Nachdem die Kohle abgetragen ist, versetzt man das Land also wieder in seinen ursprünglichen
Zustand. Der Abbau ist auch nicht wirklich das Problem:
Die Kohleindustrie verdient ihr Geld ja mit dem Verkauf von Milliarden Tonnen Kohle - die
dann verbrennen. Eine lukrative Gefahr für das Klima:
"Wir verkaufen unsere Kohle für ungefähr zehn Dollar pro Tonne. Nicht so teuer wie
bei den anderen. Wenn du dir all das hier anschaust ...Das sind einige Millionen Tonnen.
Also...einige Millionen Tonnen mal zehn Dollar...die Kohle hier ist 20 bis 30 Millionen Dollar
wert!"
In der Kohleindustrie steckt viel Geld. Und Geld ist Macht, wie wir noch sehen werden...
Während Daves Mine ein gemeinnütziges Unternehmen ist, wird der Großteil der Minen von riesigen
Konzernen betrieben. Denen geht es um Gewinn! Maßnahmen, den Klimawandel zu stoppen, könnten
das behindern. Also sind sie dagegen.
Einige mächtige Kohleunternehmen "bezweifeln" die menschliche Verantwortung beim Klimawandel.
Damit sind sie nicht die einzigen:
Zurück in Gillette: Wir treffen uns mit dem Geologen David Olson.
Er ist ein Mann der Wissenschaft, doch den Klimawandel bewertet er ganz anders:
"Meiner Meinung nach passieren viele Dinge gleichzeitig. Ich glaube nicht, dass CO2 eine
große Rolle bei der Veränderung des Klimas spielt. Wir alle glauben an den Klimawandel,
aber dass Kohle oder Menschen dafür verantwortlich sind...das hängt für uns nicht zusammen."
Hier eine gängige Meinung – doch weltweit ist David in der Minderheit: 97 Prozent der
Forschung belegen, dass der Mensch Klimawandel verursacht.
Unfassbar: Millionen Amerikaner glauben trotzdem den zweifelnden drei Prozent! Auch unser dritter
Big Player:
Politiker! ...und die haben zweifelhafte "Beweise" gegen
Klimawandel:
"Wir hören dauernd, dass 2014 das wärmste Jahr aller Zeiten war. Wissen Sie, was das
ist? Ein Schneeball...
"Wir werden das Pariser Klimaabkommen kündigen und aufhören...
unglaublich... und aufhören, amerikanisches Steuergeld für UN-Erderwärmungs-Programme
zu zahlen."
Wieso spricht man sich öffentlich gegen Klimaschutz aus? Wir fahren in die Hauptstadt Washington.
Im Congress, dem Abgeordnetenhaus, arbeiten 535 hochrangige Politiker – davon glauben
180 Republikaner nicht an den von Menschen verursachten Klimawandel: ein Drittel der
wichtigsten Politiker des Landes widerspricht wissenschaftlichen Fakten!
Aber warum?
Wenn wir das herausfinden, können wir das Rätsel lösen. Doch kein Republikaner traut
sich vor unsere Kamera....Verdächtig!
Kohleunternehmen, Forscher und Politiker argumentieren also gegen den Klimawandel. Was verbindet
diese drei Player?
Es gibt einen Mann, der uns genau das sagen kann. Er hat die letzten Jahrzehnte mit den
Spitzenpolitikern verbracht. Es dauerte lange, ihn vor die Kamera zu bekommen:
Insider Jerry Taylor. Sein Spezialgebiet: Klimawandel.
"Wenn Republikaner sagen "das Klima hat sich schon immer verändert", ist es wie das Zugeständnis,
dass es vier Jahreszeiten gibt! Niemand bezweifelt, dass es Sommer, Winter, Herbst und Frühling
gibt und dass das Klima sich verändert. Genauso wenig bezweifeln wir, dass es Eiszeiten gab.
Es ist kein Zugeständnis - es bedeutet eigentlich gar nichts! Aber wir wissen – es sei denn,
wirklich alles, was wir über die Atmosphäre wissen, ist falsch -, dass man mit Treibhausgasen
den Planeten erhitzt."
Wie wir gelernt haben, glauben das längst nicht alle Amerikaner. Ihr fehlendes Wissen
wird durch falsche Berichterstattung ausgenutzt. Wie, das weiß Jerry genau:
"Als ich noch für das Cato Institut arbeitete, war ich im Fernsehen und habe Klimapolitik
und Klimawissenschaft angezweifelt. Ich habe Kolumnen für das Wall Street Journal geschrieben
und für eine große konservative Zeitschrift. Ich war im Radio oder habe vor konservativem
Publikum gesprochen. Ich habe an Diskussionen teilgenommen und College-Debatten. All das,
um zu beweisen, dass Klimawandel nicht stattfindet."
Wer profitiert davon? 23 Jahre lang hat Jerry als bezahlter Experte
Klimawandel angezweifelt. Aus Gewissensgründen hat er gekündigt und kann jetzt frei reden.
Sein damaliger Auftraggeber: Fossile Brennstofffirmen! Sie unterstützen auch Wissenschaftler, die
menschliche Schuld beim Klimawandel anzweifeln. Doch ihr Einfluss reicht noch weiter.
"Wenn Donald Trump sich für Maßnahmen zum Klimaschutz ausspräche, würde die republikanische
Basis ihm folgen und die Ansicht unterstützen..."
Doch Trump tut das nicht. Jerry ahnt, warum es viele Politiker so halten: Wahlkampfspenden!
Ein unfassbarer Verdacht: Spenden für Klimapolitik? Donald Trump ist schließlich nur einer von
vielen Politikern...
Ihr "Problem": Wahlkampf in den USA ist teuer. Er wird vor
allem über Spenden finanziert. Entscheidend ist, wer gibt:
Die Fossilen Brennstoffunternehmen haben 2016 über 30 Millionen Dollar an Republikaner
im Kongress gespendet. Republikaner, die Klimawandel verleugnen. Das heißt natürlich nicht, dass
die Unternehmen Politik vorgeben. Doch man beißt ja bekanntlich nicht die Hand, die
einen füttert.
Einige mächtige Kohleunternehmen investieren also Milliarden, um Zweifel am Klimawandel
zu säen. So verhindern sie politische Maßnahmen dagegen und können weiter Geld mit Kohle
verdienen! Die drei Big Player:
Wegen ihnen zweifeln Millionen Amerikaner am Klimawandel... Wie die Menschen in Gillette.
Sie wollen wohl auch an ihre Unschuld bei der Erderwärmung glauben. Kohle ist vielleicht
nicht ihr Leben, aber ihre Lebensgrundlage. Barkeeperin Dawn weiß, was das für ihre
Kunden bedeutet:
"Wir sind keine Wissenschaftler, also müssen wir uns informieren und versuchen herauszufinden,
was die Wahrheit ist. WelcheWissenschaftler hat die besten Argumente, welche Informationen
stimmen? Das ist sehr schwer. Ich denke, dass es in der Natur des Menschen liegt, sich die
Seite auszusuchen, die mit dem übereinstimmt, was für einen angenehm ist."
Das kann man schon fast verstehen...hoffen wir, dass die richtige Wissenschaft irgendwann
alle Amerikaner erreicht!