Es leuchet wie ein Tannenbaum, und das, ganz ohne Leuchtmittel - also keine Birnen
oder Dioden.
Nichts.
Wie das geht?
Hiermit.
Autolack.
Glauben sie nicht?
Wir haben es auch nicht geglaubt.
Das ist kein Spezialeffekt aus einem Hollywoodstreifen.
Wir sind nicht bei TRON.
Die Macher dieser abgefahrenen Webclips behaupten: hier leuchtet der Autolack
selbst!
Kann das wirklich sein?
Und wenn ja, wie funktioniert das?
Also fährt Galileoreporter Olcay in die USA.
Genauer gesagt: nach Cleveland, Ohio.
Dort hat er einen Termin bei Darkside Scientific.
„Kommt rein!
“ „Ist jemand hier?“
„Was geht hier ab?
„Willkommen bei Darkside“ „ich bin etwas verängstigt.
Nett, dich kennenzulernen!“
„Ich bin Shawn, freut mich auch!
„Wir haben dieses Video gesehen, und sind an...
DIESEM Auto und DIESER Technologie interessiert“
„Da seid ihr hier richtig!“
„Really?“
„Absolutely!“
„Das ist unsere Lacktechnologie: das ist Licht, das du aufmalen kannst.
Wie ihr sehen könnt, ist das eine normale Hockeymaske aus Plastik.
Das einzige, was wir daran eingebaut haben, sind
diese Kabel..
Und nachdem da unser Lack drauf ist, kann sie jetzt leuchten!“
Lumilor, so heisst der Leuchtlack.
Er ist weltweit einzigartig.
Bisher beherrschen nur Shawn (sprich: Schoon) und sein Team diese
Lackiertechnik.
„Da ist schon unser Lack drauf, und wenn wir ihn anmachen, dann könnt
ihr unseren Werbespruch durchleuchten sehen.“
„Also ich seh hier gerade gar keine Veränderung, das ist einfach...
WOOOOO - how did you do that?“
„Das ist der Trick des Lacks.
Das machen wir hier.
Wir können alles zum Leuchten bringen.“
„Das ist das Auto von einem Mitarbeiter, er fährt damit seit 2 Jahren.
Man kann also damit in die Waschstrasse, die Sonne
scheint darauf, Regen....“
Der Leuchtlack ist also wetterbeständig, wie jeder normale Autolack auch.
Bisher lassen sich vor allem große Autohersteller für Werbezwecke die Autos
mit Leuchtlack lackieren.
Denn ganz billig ist das Ganze nicht.
Bei knapp einem Euro pro Quadratzentimeter kostet allein die leuchtende
Motorhaube 4000 Euro.
Das Grundprinzip der Technik hinter dem Leuchtlack heißt Elektrolumineszenz.
Das erste Patent für Elektrolumineszenz wurde bereits 1938 in den USA
angemeldet.
Seitdem wird die Technik in Nachtlichtern...
...Uhren... oder Hinweisschildern verwendet.
Ab den Neunziger Jahren dann auch in Gameboys und Taschenrechnern.
Bisher funktioniert das jedoch nur auf geraden Oberflächen mit einer Folie.
Shawns Team hat einen Weg gefunden, das zu ändern.
Steve Galayda (Aussprache: Stief Galeida) ist der Profi für den Leuchtlack.
Als einer der wenigen kennt er das Geheimnis.
„Wir haben das Innenleben herausgenommen und die Teile, die wir nicht
zum Leuchten bringen wollen, abgeklebt und den Rest leicht
angeschliffen.“
„Was auch immer die Leute im Internet sehen, alle halten es für einen
Schwindel.
Wir zeigen euch, das ist keiner!“
Die Vorbereitungen unterscheiden sich nicht vom herkömmlichen Lackieren.
Die Oberfläche muss sauber und fettfrei sein.
Das Anschleifen dient dazu, dass der Lack besser am Helm haftet.
Auf die Grundierung kommt als Erstes eine Strom leitende Lackschicht.
Wichtig ist dabei: Steve muss diese Schicht absolut
gleichmäßig auftragen.
Danach trocknet der Helm eine halbe Stunde.
Nun können auch die Klebebänder runter.
„Wir haben die erste Schicht drauf, jetzt kommt die nächste.
Die ist notwendig, um die Leuchtfarbe aufsprühen
zu können“ Der Leuchtlack ist eine Weiterentwicklung
der Elektrolumineszenz.
Diese Technik auf einen Lack anzuwenden, ist revolutionär.
Besonders, da kein Spezialequipment benötigt wird.
„Das ist der Bestandteil, der es zum Leuchten bringt!
Das ist die Farbschicht“
„Das hier lässt sich wie jede andere Farbe versprühen.
Was genau drin ist, kann ich euch nicht sagen, ist ein Geheimnis.
Im Lackierraum schauen wir uns an, wie Licht aufgesprüht
wird!“
Die Leuchtlackschicht wird unter Schwarzlicht aufgetragen.
„Unter Schwarzlicht sieht man die Farbschicht, das hilft uns, sie
gleichmäßig aufzutragen.
Jetzt seht ihr, wie es gemacht wird!“
Dem Leuchtlack sind fluoreszierende Partikel beigemischt.
Diese leuchten unter dem Schwarzlicht und helfen Steve, den
Helm flächendeckend zu lackieren.
Um den Lack auch ohne Schwarzlicht zum Leuchten zu bringen, fehlt noch eine
weitere Strom leitende Lackschicht.
„Im nächsten Schritt erwacht es zum Leben.
Wir sprühen Licht!“
Dazu wird der Helm jetzt mit einer Batterie unter Strom gesetzt.
Ein verrückter Effekt!
Da, wo die nächste Schicht auf den Lack trifft, fängt der
Helm fast wie von Zauberhand an zu leuchten!
Viel Strom braucht das Ganze nicht; mit einer 12 Volt Batterie leuchtet der
Helm ganze 60 Stunden.
Letzte Unregelmäßigkeiten müssen von Steve noch ausgebügelt werden, aber
dann ist er fertig: ...der leuchtende Helm!
Und das alles nur mit dem magischen Lack.
„Keine Tricks, keine Glühbirne - nur aufgemaltes Licht!“
Unglaublich!
Doch wie funktionert das Ganze jetzt genau?
Die Technik ist aufgebaut wie ein dreiteiteiliges Sandwich.
Auf die Grundierung kommt eine Strom leitende Lackschicht.
Der Luminophor, also der Leuchtstoff im Lack, hat die
Eigenschaft, unter Strom zu leuchten.
Als Nächstes kommt über den Leuchtlack eine weitere Strom leitende
Lackschicht.
So entsteht ein elektrisches Wechselfeld, das den magischen
Lack zum Leuchten bringt.
Und DAS ist eine Weltneuheit.
Der Lack kann extrem vielseitig eingesetzt werden.
Nicht nur auf Autos oder Helmen.
„Wir haben hier ein Leuchtmittel, das wie Lack aufgetragen werden kann.
Wir können das auf fast allen Oberflächen anwenden, auf Holz, Plastik,
Metall und können so ein Objekt in eine Lampe verwandeln.
Das hier ist zum Beispiel ein Fahrradrahmen.
Wir haben die Möglichkeit, die Menschen, die nachts Rad fahren, besser
zu schützen, weil wir die Lampe aufdrehen können.
Man kann sie so besser sehen!“
Motorräder und Autos mit Leuchtlack sind der absolute Hingucker im Land der
Tuningfans.
In Deutschland hätte der Leuchtlack auf Autos wohl keine Chance.
Denn alle externen Beleuchtungen, die andere Verkehrsteilnehmer
ablenken wie zum Beispiel Unterbodenbeleuchtungen, sind vom
TÜV nicht zugelassen.
Da sich jedoch die Technik nicht nur auf Autos anwenden lässt, werden wir den
Leuchtlack sicherlich bald auch in Deutschland sehen.
Wir haben schon mal ein leuchtendes Andenken mitgebracht.