In dieser Zeit hat man große Pläne und die ganze Welt steht offen.
Caitlin und ihr Bruder Mitchell sind genau in dieser Phase des Lebens.
Der kleine Unterschied: Sie werden in drei Tagen heiraten!
Warum und was genau dahinter steckt – jetzt bei Galileo.
Spaß haben, Freunde treffen, Konzerte besuchen - das tun auch Caitlin, 17 und ihr zwei Jahre
jüngerer Bruder Mitchell.
Soweit so normal.
Doch eine Parallelhochzeit der beiden Minderjährigen wird ihr Leben extrem beeinflussen.
Wir sind in South Dakota, USA, im Städtchen Sioux (SPRICH: SUE) Falls.
Eine typische US-Kleinstadt mit rund 150.000 Einwohnern.
Familie Outka (SPRICH: AUT-KA) ist jedoch gar nicht typisch.
Sie zählen zu den 80 Millionen Amerikanern, die den Evangelikalen Christen angehören.
Religion ist für die Geschwister Caitlin und Mitchell extrem wichtig.
Doch das Fach ist an öffentlichen Schulen in Amerika verboten.
Das ist einer der Gründe, weshalb die Outka Kinder zu Hause unterrichtet werden.
Die Bibel ist Lehrbuch und Ratgeber für Caitlin zugleich.
„Für jede Lebenssituation gibt es verschiedene Bücher in der Bibel.
Momentan beschäftige ich mich viel mit Psalmen und biblischen Sprichwörtern.
Darin steckt viel Weisheit.“
Die Küche der Outkas ist eines von rund 1,5 Millionen privaten Klassenzimmern in den USA.
Caitlins und Mitchells Eltern unterrichten die beiden, nur für schwierige Fächer wird
einmal pro Woche eine Lernkooperative besucht.
„Alle paar Jahre müssen wir, genau wie normale Schüler auch, den sogenannten Dakota-Step-Test
machen.
Die Prüfung soll sicherstellen, dass wir mit unserem Lehrplan auf dem richtigen Weg
sind.
Vor ein paar Monaten haben wir beide den Test gemacht und unser Ergebnisse war überdurchschnittlich
gut.“
Die intensive Betreuung des sogenannten Homeschoolings zeigt Erfolg.
Vater Troy wird zum Privatlehrer.
„Seit ihr bereit für ein bisschen Biologie?“
Eigentlich ist Troy Immobilienmakler.
„Als Christen glauben wir natürlich an die biblische Schöpfungsgeschichte.
Gott hat das menschliche Leben, die Erde und das ganze Universum erschaffen.“
Diese Schöpfungstheorie nennt sich Kreationismus: Danach ist die Erde nicht älter als zehntausend
Jahre alt und Gott schuf sie in sechs Tagen.
Fast die Hälfte der Amerikaner teilt diese Ansicht.
„Es kursiert da aber auch noch ne andere Theorie namens Evolution.
Wann glaubt ihr hat die denn stattgefunden?“
„Wann das stattgefunden hat?“
„Vor Millionen Jahren“
„Genau.
Und ich frag Euch: Wer konnte das jemals wirklich beobachten?“
„Niemand?“
„Genau.
Dann gibt es noch Makro-Evolution.
Das ist, wenn sich eine Art zu einer anderen Art entwickelt.
Zum Beispiel ein Schimpanse zum Menschen.
Wir glauben schon daran, dass Arten sich anpassen oder spezialisieren können – allerdings
lehnen wir die Idee ab, dass sich Arten in etwas ganz neues entwickeln, denn dafür
gibt es keinen Beweis.
Damit werden wir häufig konfrontiert – Leute werfen uns vor, dass wir blind an die Schöpfungsgeschichte
glauben.“
Ein Vorwurf, dem Familie Outka gelassen begegnen.
Ihr Glaube macht sie sicher.
Mutter Linda arbeitet als Versicherungs-Vertreterin.
So oft es geht von zu Hause.
Ihr ist es wichtig, engen Kontakt zu den Kindern zu halten.
Natürlich schauen die Geschwister auch Fernsehen, zocken an der Konsole oder surfen im Internet.
Aber was sie nutzen wird vorher streng kontrolliert, ob es den Vorstellungen der Eltern entspricht.
„Auf Facebook bin ich jeden Tag.
Bevor ich eine Freundschaftsanfrage akzeptiere, muss ich meinen Dad fragen.
Er schaut dann auf deren Fabebook Seite, um sicher
zu gehen, dass die OK ist, dass sie keine schlechte Sachen posten, die ich nicht unbedingt
sehen soll.“
Bei ihren Freunde geht es genauso zu.
Denn alle gehören der selben Gemeinde an.
Jeden Nachmittag treffen sie sich zum Sport und gemeinsamen Abhängen.
Sie wollen keusch bleiben.
Nicht einfach für jemanden der in der Pubertät steckt.
Vor allem für den Mädchenschwarm der Clique, den 15-jährigen Mitchell.
„Caitlin erzählt uns immer, dass alle Mädchen ihren Bruder so süß finden.“
„Aber er bildet sich darauf nichts ein.
Er bleibt total auf dem Teppich.“
Regelmäßig treffen sich Caitlin und Mitchell hier mit ihren Freunden zum Ultimate Frisbee.
In solchen Moment spielt der tiefe Glaube für einen kurzen Augenblick keine Rolle.
Sport ist bibel-konform.
Unter gleichgesinnten Feiern auch.
Am Wochenende werden die Teenager noch ein riesiges Christ-Rock-Festival besuchen.
Aktivitäten wie Shoppen gehen dagegen oder stundenlang im Internet surfen ist nach Meinung
der Evangelikalen nichts, was Gott gutheißt.
Kennengelernt haben sich die Teenager in einer Lernkooperative für christliche Kinder.
Niemand von ihnen hat je eine öffentliche Schule besucht.
So bleiben die Jugendlichen auch meist unter sich.
Trotzdem haben sie ein ganz normales Leben, mit einem großen Freundeskreis.
„Jesus fordert uns auf, unsere Nächsten zu lieben.
Auch wenn wir Freunde hätten, die nicht unseren Glauben teilen, würden wir sie dennoch lieben.“
„Wir stimmen ihnen vielleicht nicht zu, oder teilen diesselben Ansichten, aber ganz
bestimmt lieben wir sie und könnten trotzdem Freunde werden.
Wir schließen niemanden aus.“
Morgen steht Caitlins und Mitchells „Hochzeit“ an, doch am Abend wird schon mal vorgefeiert.
Angestoßen wird dabei mit Soft-Drinks.
Alkohol ist laut Bibel zwar per se nicht verboten, sich zu betrinken allerdings schon.
„Ich halte mich von Alkohol einfach fern, ich brauche das nicht um Spaß zu haben.
Es ist einfach nicht gut für den Körper und hemmt Dein Urteilsvermögen.“
Im Hause Outka herrscht Alkoholverbot, doch Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
„Viele Kids wissen, wie sie an Alkohol rankommen.
Aber unsere Kinder waren nie in einen Freundeskreis, in dem Alkohol eine Versuchung war.
Wir glauben, dass die Wahl der Freunde sehr wichtig ist.“
Für Caitlin und viele ihrer Freunde ist es das Abschlussjahr in der Schule.
Pläne für die Zukunft hat die 17jährige noch nicht, vielleicht will sie im elterlichen
Immobiliengeschäft mitarbeiten oder ihren kleinen Bruder Ian als Lehrerin zuhause unterrichten.
Ausziehen kommt für Caitlin erst mal nicht in Frage.
Aber mal ehrlich – Eltern nerven doch, oder?
„Sie sind nicht super-streng, haben aber definitiv Regeln, denen man folgen muss.
Manchmal besucht man Freunde, deren Eltern man nur ein bisschen kennenlernt –
die Outka-Eltern dagegen sind sehr eingebunden, sie lernen gerne neue Freunde von Mitchell
und Caitlin kennen.
Das ist cool.“
Der nächste Morgen.
Es ist neun Uhr und ein besonderer Tag für Caitlin.
Sie wird heute heiraten.
Nicht irgendeinen Mann, sondern Gott.
Sie wird ihr Versprechen abgeben, bis zur echten Hochzeit keusch zu bleiben.
Für die Christlichen Evangelikalen ist es der Schritt ins Erwachsenenleben.
Dasselbe gilt auch für ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Mitchell.
Der teilt sich ein Zimmer mit dem Nesthäkchen der Familie: den 5jährigen Ian.
Im Hause Outka bestimmt die Bibel das komplette Leben.
Die Heilige Schrift ist kein Buch wie jedes andere, sondern die alleingültige Offenbarung
Gottes.
Selbst wenn Caitlin ihr Hochzeits-Outfit auswählt folgt sie biblischen Gesetzen.
Denn: Eitelkeit ist eine Sünde.
„Die Bibel sagt, dass Aussehen nicht das Wichtigste sein darf.
Für mich ist es das auch nicht.
Ich mag es schon, mich zu schminken, weil es gut aussieht – aber es gibt Wichtigeres
für mich.“
Noch nie hat die 17jährige einen Jungen geküsst oder gedatet – gegen aufkeimende Teenager-Gefühle
allerdings ist auch sie machtlos...
„Verliebt würde ist es nicht unbedingt nennen, aber geschwärmt habe ich schon für
Jungs.
Damit hab ich schon Erfahrungen gemacht.
Im Moment allerdings nicht.
Ich bin in keiner Beziehung oder so und das werde ich wohl auch für lange Zeit nicht
sein…“
Die Zukunft liegt in Gottes Hand.
Die 17jährige Caitlin glaubt fest daran, dass er ihr irgendwann einmal ihren Traummann
schicken wird.
Bis dahin wollen sie und ihr Bruder keusch bleiben.
Und das wird heute offiziell gelobt.
Vater Troy übernimmt die Rolle des Priesters, Freunde der Familie sind Trau-Zeugen – für
die Ehe mit Gott.
„Caitlin und Mitchell, ihr habt beide vor Gott den Wunsch geäußert, keusch zu bleiben,
bis zu eurem Hochzeitstag.
Die Ringe, die ihr Beiden jetzt bekommt, sind ein Symbol für dieses Versprechen.
Sie sollen Euch immer daran erinnern.“
Caitlin will sich sogar ihren ersten Kuss für den Hochzeitstag aufheben.
Auch Daten kommt für sie nicht in Frage.
Bruder Mitchell sieht es ganz ähnlich.
„Das ist etwas, was nur mit einer Person geteilt werden sollte, und das ist die Ehefrau.“
„Es wird einfach unglaublich sein, diesen Moment mit unserem zukünftigen Ehemann oder
der Ehefrau zu teilen.
Diese besondere Nacht, für die man sich aufgehoben hat, wird einfach toll.“
Die Teenagerin hat es nicht eilig einen Ehemann zu finden.
Sie vertraut auf das perfekte Timing Gottes.
Doch die sexuellen Versuchungen im Amerika des 21.
Jahrhunderts sind groß und allgegenwärtig.
„Ich versuch einfach, mir diese Sachen gar nicht anzuschauen oder zu lesen.
Ich weiß natürlich, dass es das gibt, aber ich habe mich entschieden, das nicht in mein
Leben zu lassen.“
Viel lieber trifft sie sich mit Gleichgesinnte.
Die Outkas wollen den großen Schritt ihrer Kinder drei Tage lang feiern: Auf dem „Lifelight
Christ-Rock Festival“.
Das findet alljährlich etwa eine halbe Stunde außerhalb von Sioux Falls statt.
Es ist eines der größten Festivals seiner Art in Amerika.
Religion wird hier auf einzigartige Weise verpackt: als riesengroße Party mit hunderttausenden
Besuchern.
Caitlin und Mitchell lieben dieses starke Gemeinschaftsgefühl, das charakteristisch
ist für Evangelikale Veranstaltungen.
Hier fühlen sie sich verbunden - mit anderen Gläubigen und mit Gott.
Für die Teilnehmer ist es ein drei-Tage-langer-Gottesdienst.
Jeder bekommt ein Freiexemplar der Bibel.
Auch der Eintritt für das Festival ist kostenlos, schließlich soll jeder das Wort Gottes hören
können.
Das lockt die Massen offensichtlich an.
Auch Mitchell wird gleich zum aktiven Werbeträger der christlichen Botschaft.
Mit seiner Band tritt er gleich auf.
„Ich bin total aufgeregt sie jetzt spielen zu sehen.
Mitchell hat hart dafür gearbeitet und sich so auf heute gefreut.
Er ist bereit dafür, Gott zu ehren.“
Der Tag ihrer Bekehrung ist für Evangelikale der wichtigste ihres Lebens.
Ein freiwillig gewählter Zeitpunkt, an dem sie sich aktiv zu ihrem Glauben bekennen.
Von diesem Tag an versteht man sich als Christ und
damit als erlöster Mensch.
Keine andere Religion rekrutiert so viele Jugendliche in den USA wie die evangelikalen
Kirchen.
Mittlerweile ist Christ-Rock eine millionenschwere Musikindustrie, mit typisch amerikanischem
Kommerz-Charakter.
Gebärdendolmetscher übersetzen die Texte, damit wirklich jeder die Botschaft versteht.
Es gibt eigene Award-Shows, Platten-Labels und eben auch Festivals.
„Ich bin so gerne hier und hör mir das Evangelium an.
Ich treff Freunde und kann gemeinsam mit ihnen beten.“
Die Evangelikalen achten einander und kümmern sich um ihre Freunde sehr stark.
Teenager wie Caitlin fühlen sich in dieser Gruppe geborgen und wohl.
In die Kirche wurden sie und ihre Geschwister hineingeboren.
Trotzdem muss sich jeder individuell mit dem Keuschheitsversprechen bei der „Ehe mit
Gott“ zum Glauben bekennen.
Für die Outkas ist das Gebet auf dem Lifelight Festival ein beglückendes Gemeinschaftserlebnis
– für fast alle.
Trotz Facebook und Liebesgefühlen - für die Teenager Caitlin und Mitchell ist der
tiefe Glaube an Gott ein großes Glück.