Wie weit er es gebracht hat - wissen wir alle.
Die New York Military Academy sagt stolz von sich: wir formen die Führungselite von morgen!
Wie sie das macht hat sich unsere Reporterin Maike Greine angeschaut.
Morgens, kurz vor acht.
Maike in der Militärschule=.
„Da passiert irgendwas.
Das sieht sehr militärisch aus.“
Schüler in Uniform, stramm stehend, in einer Reihe.
Ein Ausbilder - er mustert die Jugendlichen ganz genau.
Routine-Kontrolle - oder gab es einen Vorfall?
Maike fragt nach - aber:
„Sie haben jetzt keinen Termin mit mir.”
„Das stimmt.
Aber mich interessiert, was Sie da gerade gemacht haben..”
„Ich möchte jetzt aber in meine Klasse.“
“Okay.”
So ist das an einer Militärschule.
“Okay.
Das war krass.
Ich habe gedacht, ich kann kurz mit ihm quatschen, aber das ist nicht auf dem Plan, also ist
er in die Klasse und ich bleib draußen.
Der hat Eindruck gemacht.
Da ist mir gerade so ein bisschen eiskalt den Rücken runtergelaufen.
Stramm stehen.“
Die New York Military Academy.
Eine der ältesten Militärakademien der USA -
gegründet 1889.
Kosten für ein Jahr: vierzigtausend Euro.
Das können sich nur Besser-Verdienende leisten.
Wer sein Kind hier anmeldet, will, dass der Nachwuchs einmal Führungspositionen übernimmt.
Jetzt darf Maike mit in eine Klasse - Mathematik steht an.
Sie ist überrascht:
„Also ich weiß ja nicht, wie das sonst so hier abläuft.
Aber besonders militärisch streng ist die Unterrichtsstunde
jetzt nicht.
Also entspannt“
Die Schüler dürfen reinreden und aufstehen.
Einer von ihnen: Jonathan
(englisch aussprechen), siebzehn Jahre alt.
Er geht seit fünf Monaten auf die Military Academy.
Sein Vater ist Immobilienmakler in New York.
Maike traut sich, Jonathan anzusprechen.
Ist das eine typische Unterrichtsstunde?
„Ja, meist ist das so.“
„Weil es ist überhaupt nicht streng.”
“Die Lehrer geben den Kadetten Freiraum, um sich zu äußern
- wir sollen nicht verkrampfen.“
Die Lehrer bezeichnen die Schüler als Kadetten, wie beim Militär.
Maike verabredet sich mit Jonathan.
Er will ihr später den Campus zeigen.
Vormittags hat er aber erst mal dreieinhalb Stunden Unterricht
- ohne Pause.
Punkt 11:50 Uhr.
Antreten vor dem Schulgebäude.
Auch Maike.
„Ich habe keine Ahnung.“
Die Schüler marschieren im Gleichtakt.
Das ist schon ziemlich befremdlich - das erinnert mich an die
Bundeswehr oder an einen Schützenverein.
Marschieren in die Pause - die erste am Tag, um 12 Uhr.
Unter den strengen Blicken vom Ausbilder geht´s in die Kantine.
Mittagessen.
„Hinsetzen!“
Der Ablauf folgt einem exakten Protokoll.
Alles ist vorgeschrieben - auch, wie Maike und die Kadetten sich anstellen müssen.
“Du musst die Hände so halten.
Erst links.“
„Ah, der Linke.“
„Dann der rechts.“
„So?“
„Ja
„Sie gehen weiter.“
„Du musst aufpassen.“
„Du kannst nicht einfach so gehen.“
„Eine Armlänge Abstand.“
„Ist das der richtige Abstand?“
„Ja.“
Alle Schüler halten sich an die Anweisungen.
Warum der Abstand nun so groß sein muss - das wird nicht hinterfragt, sondern
hingenommen.
Für alles gibt es Vorschriften hier.
Unmöglich für Maike, alles richtig zu machen.
„Es gibt so viele Regeln.
Eigentlich hätte ich erst mein Tablett wegbringen müssen, dann kann ich mir etwas zu trinken
holen.“
Die Schüler kommen aus der ganzen Welt.
Seitdem ein chinesischer Investor die Schule übernommen hat, sind viele Jugendliche
aus China hier.
Maike setzt sich zu der fünfzehnjährigen Chrissy (sprich: Krissie) . Ihre Mutter
ist Unternehmerin aus New York.
Chrissy geht seit sechs Monaten auf die Militärakademie.
„Wie ist es für dich auf so einer Militär-Schule?
„Es ist schon anders als an normalen Schulen.
Aber man gewöhnt sich dran.
Es ist eben eine Militärschule - also gibt es auch
militärische Strukturen.
„Wolltest Du auf diese Schule?“
„Ja, Ma’am.“
„Hast du ´Yes Ma’am`gesagt?.“
„Ja.“
“Wow das habe ich noch nie gehört.
Sie hat gesagt, yes „ma’am“
„Was möchtest du nach der Schule machen?“
„Ingenieur werden - wahrscheinlich bei der Navy“.“
„Glaubst du dass es Dich weiterbringt, dass Du hier an dieser
Militärschule bist?“
„Ja.
Weil die sagen werden: sie ist auf diese Schule gegangen und hatte schon eine militärische
Ausbildung.
Sie ist nicht unvorbereitet“
In den USA haben Militärakademien eine lange Tradition.
Alle insgesamt vierzig gelten als Eintrittskarte in ein erfolgreiches
Berufsleben.
Die wenigsten Absolventen bleiben beim Militär.
Der Gruppenführer beendet das Essen.
Alle Schüler müssen aufhören - egal, ob fertig oder nicht.
Wer falsch geht oder zu spät kommt - den bestraft der
Sergeant mit Liegestützen.
Für das Mittagessen haben die Kadetten nur fünfunddreißig Minuten.
Danach wieder stramm stehen.
Der nächste Drei-Stunden-Unterrichtsblock.
Für Jonathan steht das Fach Leadership auf dem Lehrplan.
Führung lernen - mit siebzehn.
Der Lehrer: Sergeant Bailey (sprich: Bälie) - früher
war er Instructor (englisch aussprechen) bei der Army.
Er hat Maike am Morgen abblitzen lassen.
Jetzt erfahren wir auch, was er vor dem Unterricht macht: er kontrolliert die
Uniformen.
Sitzen sie perfekt?
Stimmt das äußere Erscheinungsbild?
„Endlich sind Sie richtig rasiert.“
„Um was geht es da - im Führungs-Unterricht?“
„Um ein guter Bürger zu sein, muss man ein guter Mensch
sein.
Die Grundlage für die Staatsbürgerschaft in diesem Land ist die
Familie.
Die ist Teil der Gemeinde.
Und die Teil der Stadt.
Und die Teil des Staates.
Und der Teil der Nation.
Das bedeutet Staatsbürgerschaft.
Alles fängt beim Einzelnen an.“
Staatsbürgerkunde zusammengefasst in dreißig Sekunden.
Aber klingt eigentlich sehr vernünftig.
Hier im Unterricht saß übrigens auch Donald Trump mal.
Was sagt die Schule eigentlich dazu?
Donald Trump hat an dieser Schule 1964 seinen High School-Abschluss
gemacht.
Maike hat einen Termin beim Schulleiter, Jonathan Gastel (sprich:
Dschonathan Gästell).
Er leitet seit 2016 die Schule.
Wie steht er zu dem berühmten Absolventen?
Sind Sie stolz, dass der Präsident hier seinen Abschluss
gemacht hat?
“Natürlich sind wir sehr stolz.
Er war ja auch ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann.
Er hat uns sogar in seiner Biografie erwähnt.
Unser Sommertraining habe ihn stark gemacht.“
Ich würde gerne über Trump als Präsident reden.
Aber vor der Kamera will niemand was sagen.
Aber Lobeshymnen zumindest habe ich über ihn
nicht gehört
Ich habe gehört, dass seine Eltern ihn hier in die Schule
geschickt haben, weil sie ihn Zuhause nicht mehr händeln konnten
Er kam hier her, als er gerade Zuhause rebellierte.
Da war er in der achten Klasse.
Natürlich sehr jung für ein Internat.
Aber nach und nach hat er gelernt, wie er hier zurechtkommt.
Sowohl im Unterricht als auch in Sport und Führung war Donald sehr
gut.
Daran erinnern sich seine Mitschüler von damals.
Er war sehr leistungsstark.
Trump war in den 1960ern an der Military Academy.
Trotzdem hat sich hier seitdem so gut wie nichts geändert.
Heute - 2017: ist diese militärische Erziehung noch
notwendig?
Für mich gibt es zwei Seiten.
Als Wissenschaftler und jemand, der auch Wissenschaftler und Ingenieure
ausbildet, denkt man schon manchmal: wieso diese ganze militärische
Struktur zur Ausbildung?
Wieso nicht einfach den Geist befreien und jeder soll das
denken, was er will?
Die Antwort ist: Die Fähigkeit, sich zu fokussieren, jemanden zu
überzeugen und hartnäckig zu bleiben - das lernt man am besten in der
Militärschule.
Maike trifft Jonathan wieder.
Wie ist das für so einen jungen Mann - auf die
Schule zu gehen, auf der auch Präsident Donald Trump war?
Wie fühlt es sich an, an derselben Schule wie der Präsident zu
sein?
Das lässt einen spüren, was man alles erreichen kann.
Zu wissen, dass hier der Präsident der Vereinigten
Staaten auf die Schule ging, zeigt, dass man vermutlich alles schaffen
kann.
„Weißt du, wo er hier auf dem Campus gelebt hat?“
Nicht genau.
Aber irgendwo hier.”
„Hier in dem Gebäude?“
„Ja.“
Auch Jonathan machte Probleme.
Er schwänzte oft die Schule.
Seine Eltern schickten ihn hierher - damit er Disziplin
lernt.
“Wie streng ist das Leben hier wirklich?
Oder ist das ganze militärische nur Fassade?
Es ist streng.
Sie achten darauf, dass unsere Schuhe poliert sind, jeder eine saubere Uniform hat.
Wenn einer keine Handschuhe hat, müssen sie alle ausziehen.
Wenn jemand keine Mütze hat, müssen sie alle
abnehmen.“
Wirklich?
Warum!
Wir sollen als Team leben - leben und atmen wie ein Team!
„Magst du das?“
So lernen wir, Verantwortung zu übernehmen.“
Das ist eine diplomatische Antwort!
Jonathan zeigt Maike, wie die Kadetten wohnen.
Sehr spartanisch.
Jungen und Mädchen leben in getrennten Gebäuden auf
dem Campus.
Militär-Style.
Sieht jeder Raum gleich aus?“
Nicht jeder.
Aber sie sind alle ähnlich ausgestattet.
Mit einem Bett, einem Tisch und so einer Truhe wie da
drüben.“
Vermisst du dein Zimmer von Zuhause.“
Ja.
Das Bett ist unbequem.
Meins Zuhause ist größer.
Aber es ist kein schlechtes Zimmer.“
Draußen auf dem Hof.
Zwei Jungs marschieren mit einem Luftgewehr über der
Schulter - weil sie den Unterricht gestört haben.
Ich habe gehört, dass solche Strafen noch aus Gründungsjahren der
Schule stammen.
Wenn es je zeitgemäß war - für mich heute jedenfalls
nicht mehr.
.
Die Schule legt viel Wert auf körperliche Fitness und militärisches Know-how.
Nachmittags steht Sport auf dem Programm oder Schießen.
Die Lehrer trimmen die Schüler auf Leistung - aber was, wenn sie dem nicht
Stand halten?
„Dürft ihr auch mal Schwäche zeigen?“
„Was meinst du damit?“
„Schwäche.
Fehler machen.
Dürft ihr auch mal was falsch machen?
Nein.
Das würde man vielleicht ein paar Mal tolerieren.
.Aber die denken, du bist freiwillig hier, aus einem
bestimmten Grund.
Und nicht, um hier rumzuspielen.
Wer das möchte, ist falsch hier - und sollte besser an eine öffentliche Schule gehen.“
Klare Worte.
Einige der Schüler hier wollen später eine militärische Laufbahn
einschlagen - auch Chrissy.
Sie will zur US-Navy.
„Hast du Angst, dass du eines Tages in den Krieg musst,
wenn du ja zur Navy gehst und Karriere beim Militär machst?
Da besteht ja schon ein Risiko.
Das stimmt.
Aber ich bin bereit, für das zu kämpfen, woran ich
glaube.
Und wenn ich dafür in den Krieg muss - dann ist das so.“
„Vermisst du deine Eltern hier?
Ja.
Aber man muss sich sagen: wenn man wieder Zuhause ist,
dann freuen sich alle, weil du so lange weg warst.“
Du bist so taff.
Ich würde dich so gerne umarmen.
Vielleichr braucht Du das manchmal
Vielleicht bin ich da gerade zu weit gegangen.
Aber Chrissy ist so ernst.
Ich frage mich ob es hier auch unbeschwerte Momente gibt.
Zeiten, in denen die Jugendlichen einfach mal normale
Teenager sein können?
Auch am Abend - wieder Gleichschritt.
Zum nächsten Tagesordnungspunkt.
Lernen und Hausaufgaben gehören bis 21 Uhr zum Pflichtprogramm.
Maximal anderthalb Stunden haben die Jugendlichen
am Tag zur freien Verfügung.
Die Zeit, in der sie auch ihr Zimmer aufräumen
müssen.
Eigentlich wollte Maike hier übernachten und noch einen Tag an der Military
Academy verbringen.
Aber ein Schneesturm zieht auf.
Ab Mitternacht soll Schnee fallen.
Wir sind in den Bergen.
Wenn du nicht bis Mitternacht in der Stadt bist, steckst Du hier tagelang
fest.
Die ganze Ostküste macht sich bereit für den Blizzard.
Wir müssen die Dreharbeiten abbrechen - aber eine letzte
Frage an Jonathan schafft Maike noch.
„Gibt es hier so etwas wie Highschool-Leben.
Wie Parties oder einfach nur abhängen?“
Nein.
Wir sind jeden Tag zusammen - aber wir feiern keine
Parties.
Ab und zu trifft sich auch mal die ganze Schule.“
Hast du es jemals bereut, auf diese Schule zu gehen?“
“Okay - ich würde sagen.”
Ich bereue die Dinge, die ich gemacht habe - die mich hierher
gebracht haben.
Ich hätte ein besseres Kind sein können.”
Glaubst du, du bist jetzt ein besserer Mensch?
Hast du dich verändert?
Ich bin verantwortungsbewusster und motivierter“
Dann scheint das Konzept der Schule ja aufzugehen.
Maike muss jetzt wirklich los.
Die Kaderschmiede verlassen, auf der auch Donald Trump war.
Mit welchen Gefühlen verlässt sie den Campus der New
York Military Academy?
Hat sie das Konzept überzeugt?
„Regeln und Disziplin sind nichts schlechtes, aber einige Sachen an
dieser Schule finde ich ziemlich überholungsbedürftig.
Die Schüler, die ich getroffen habe, die sind super taff - auf
mich wirken sie aber teilweise auch wie abgehärtet.
Ob das gut ist oder schlecht wird sich zeigen.“
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