Die meisten Jugendlichen wollen so sein, wie alle (laut Sinus-Studie).
Dennoch existieren noch kleine Jugendbewegungen im globalen Mainstream.
Wir haben drei Jugendliche aus unterschiedlichen Szenen begleitet.
Haben ein Rapper, eine Hackerin und ein Mangakid vielleicht doch etwas gemeinsam?
Die Jugend von heute: Im medialen Mainstream gefangen?
Für Revolution keine Zeit - „surfen“ ist wichtiger
Das war früher anders - bis in die 2000er hatte jedes Jahrzehnt seine
Jugendrebellen - seitdem gibt es nur noch eines: „angepasst sein“
Wir suchen und treffen drei außergewöhnliche Jugendliche, um herauszufinden:
Was verbindet sie?
Und wie viel Rebellion steckt noch in der Jugend?
Der 14-jährige Julian alias „Fricke Jo“ ist einer der jüngsten Rapper
Deutschlands.
Sein letztes Musikvideo „Dopekid“ hat in der Hip Hop Szene voll eingeschlagen.
Julian hatte noch nie mit „Dope“ zu tun.
Er ist ein guter Schüler und fleißig ist er auch bei seiner
Musik; er rappt jede freie Minute „Fricke ist das Dopekid, guck _ _. einfach
in das Mic rappen_” Sein neuer Song heißt: „Kein Bock auf Beef“.
Keinen Ärger haben - ein Lebensmotto für Jungs wie Julian
„Wir finden, dass es einfacher ist durchs Schulleben zu kommen, wenn man jetzt nicht
unbedingt Stress mit den Lehrern hat.“
Julian hat Großes vor mit seiner Musik!
Heute Nachmittag steht der Videodreh zu seiner neuen Single an.
Aber erstmal nach Hause zum „chillen“ „Hi“„Hi“
Auch das typisch für diese Generation: Die Eltern bieten den Jugendlichen
keine Angriffsfläche - so wie Julians Vater: er unterstützt dessen Traum einer
Hip Hop Karriere.
„Man sieht halt nichts schlechtes, man hat halt n Haus, man hat n Auto,
man hat alles was man zum Leben braucht vielleicht sogar mehr..“
Dazu gehören natürlich auch coole Klamotten, gutes Aussehen - ein Muss für
das Shooting heute.
Uns fällt auf: in Julians Zimmer hängen keine Poster von
Rapper-Idolen - nur er selbst!
„Also es ist natürlich n bisschen komisch, wenn man sein eigenes
Bild im Zimmer hängen hat, aber das ist halt mein eigenes erstes
Lied, was jetzt auch auf Spotify und anderen Portalen gekommen ist
und deswegen ist es mir schon sehr wichtig und auch okay, dass
man das selber in sein Zimmer hängt.
“Guck ich bleib am Boden, so wie meine Vans_ geht ans Macbook und
der rendert das“ Selbstbewusst, doch nie aufsässig
„Ich würd sagen, dass es einfach so ist, dass viele einfach sehr
gutes Leben führen können, deswegen seh ich keinen Grund so
richtig zu rebellieren, weil wir es ja eigentlich schon sehr gut haben.“
Keine Kämpfe führen, sondern cool aussehen.
In den sozialen Medien gut da zu stehen, hat für die Kids Priorität.
Neue Apps und Tools schwemmen täglich auf den Markt - da heißt
es dranbleiben für die gelungene Selbstdarstellung.
Julian ist perfekt organisiert - auch beim neuen
Video.
„So n bisschen aufgeregt bin ich eigentlich immer.
Es ist immer noch was Besonderes obwohl wir das ja schon paar
Mal gemacht haben.
Und es macht viel Spaß, das wird super“ Bereits drei Musikvideos hat Julian zusammen
mit seinen Freunden als Videoprojekt „The Lab“ produziert und
online gestellt.
Unterstützung bekommen sie von Rapper Johnny.
Teamwork und Top Equipment sind ausschlaggebend:
„Sie haben alles, wenn ich mit 13 Jahren n iphone 7 habe, dann
brauche ich nicht mehr zu rebellieren, weil ich für nichts mehr
kämpfen muss“ „ Ich red nicht mehr negativ, komisch dass
du in dir selbst keine Fehler siehst.
Hol sie doch alle her - kein Bock auf den Beef mehr“
Statt kahlen Fäusten gibt es heute “Cyber Mobbingund „Hate“.
Hass bekam auch Julian nach dem Upload seines ersten Videos zu spüren..
„Die, die hier sind, sind meine Freunde, die mir dabei helfen diesen
Hate wegzustecken und das freut mich auch sehr dass ich einfach so
Leute da hab die immer für einen da sind und dabei sein können..“
Die Gruppe gibt Julian Halt.
Natürlich träumt er davon, ein großer Rap-Star zu
werden.
Doch nicht durch Provokation, sondern mit technischem Know-How und einer sicheren Ausbildung.
Insgesamt definieren sich Jugendszenen über vier große Bereiche:
Musik!
Hip Hop, Techno, Metal und Punk - eigentlich egal, was man hört - nur
anders als der Geschmack der Eltern.
Sport: Parkour, Fixie-Radfahren und Longboard - coole
Tricks und Action.
Hier können Jugendliche zeigen, was sie können.
Veränderung der Gesellschaft - früher gingen die Kids auf die Straße, heute
werden sie friedliche Veganer.
In der digitalen Welt sind vor allem Hacker und Gamer
respektierte Nerds.
Das zeigt das Beispiel von Anna.
Ihr Lieblingsort ist eine Bar, in der sich eine
ganz bestimmte Jugendszene trifft.
Hier wird nicht gefeiert und getanzt, nein, hier geht es um Zocken, Programmieren, Spielen
und Hacken Den Großteil ihrer Freizeit verbringen Anna
und ihr Freund Bela vor dem PC.
In der virtuellen Welt tummeln sich nicht nur
nerdige Kapuzenpulliträger, die literweise Cola trinken.
Anna mag an dieser Szene vor allem eines: „Ich hab auch oft das Gefühl, dass diese
Hackerkultur auch mit gewissen politischen Einstellungen einhergeht,
das sind auch meistens irgendwie Leute die halt ziemlich
individuell sind.“
Nicht nur Spielen, sondern mit Codes etwas verändern.
Annas Eltern stehen hinter ihrem Interesse an IT, auch wenn sie
circa vier Stunden pro Tag vor dem PC verbringt.
Mit Hacken natürlich.
Wer jetzt aber an Passwörter stehlen und Systeme übernehmen denkt, liegt
falsch.
Auch wenn Anna die Möglichkeiten hätte, ihre Fähigkeiten als Protest
einzusetzen - sie würde nie etwas Verbotenes tun.
„Man sollte eigentlich nichts machen, um anderen Leuten zu
schaden, sondern dann auf andere Weise dagegen vorgehen, aber
nicht einfach reinhacken.“
Hacken ja, aber nur für den guten Zweck.
Anna hat eine App für Flüchtlinge programmiert, die sie heute
testen will.
In Annas Zimmer fällt der Mix aus verschiedenen Strömungen auf: Typisch für
diese Generation.
Sie fühlen sich nicht nur einer Gruppe zugehörig, sondern
holen sich überall das Beste raus.
Das zeigt sich auch an Annas Kleidungsstil: bunt gemischt, heute Girlie,
morgen Punk.
Jugendliche heute springen zwischen den verschiedenen Szenen hin und her.
Sicherheit ist für Anna vor allem in der virtuellen Welt ein Thema.
„Ich glaube besonders, dass das Internet sicherer wird und gerade
was Überwachung angeht, das ist was man technisch lösen könnte
und was mir auch selber wichtig ist.
Viele Leute, die von Technik keine Ahnung haben, die verlassen sich darauf,
dass das halt wirklich sicher ist und wenn es das nicht
ist, ist es halt _ da müssen mehr Lösungen geschaffen werden.“
Lösungen, die das Internet und die reale Welt zu einem „besseren Ort“ machen.
Anna testet ihre App (sprich Äpp) heute mit Hamza aus Syrien.
Der 19-Jährige ist begeistert davon, denn die App hilft Flüchtlingen,
sich in Deutschland zu orientieren.
„Also was ich jetzt gerne hätte wär auf jeden Fall, dass noch mehr
Leute die App benutzen können und auch noch mehr Leute nutzen,
da es ja anscheinend gut funktioniert und auch wirklich helfen
kann.“
Anna kombiniert Technik mit sozialem Engagement.
Computercodes für eine bessere Welt.
Seit den Nullerjahren vermischen sich Jugendszenen immer mehr.
Neben der richtigen Einstellung wird das Aussehen immer
wichtiger.
Niclas will mit seinem Gothic-Punk-Look vor allem eines: Auffallen.
Schulfreundin Celina ist die einzige auf dem Pausenhof, die seine Leidenschaft
für Mangas teilt.
Schräge Blicke und fragwürdige Spitznamen - egal.
Die Aufmerksamkeit gefällt dem 16-Jährigen.
„Mir wird hin und wieder gesagt, dunkler Lord, das ist so ein Name
den find ich eigentlich noch ganz lustig, Harry Potter wird mir ab und
zu nachgesagt, manchmal werd ich auch einfach nur stumpf Mantel
genannt.“
Klingt nach Mobbing, doch Niklas siehts gelassen.
Er will sich heute sogar die Haare knallgrün färben!
Sein Look ist ihm noch nicht extrem genug.
„Dass ich mir die Haare grün färben möchte ist an sich keine direkte
Rebellion, aber einfach um aufzufallen wirklich“ Gesellschaftskritik?
Provokation?
- weit gefehlt.
Punks früher färbten sich die Haare selbst, Chaos und Unordnung waren Programm.
Niklas hingegen lässt sich die Haare färben.
Er hat triftige Gründe, dies beim Frisör im Dorf zu tun.
„Warum ich mir die Haare nicht zu Hause selber färbe, ich möchte
mir die Hände nicht selber schmutzig machen, das geb ich so auch
zu, ich kanns auch nicht und ich möchte dass es ordentlich
aussieht.“
Vielleicht ist genau das das Problem der Jugend: auffallen und anders sein ja -
aber dafür auch wirklich etwas tun?
Lieber nicht.
Ist doch anders viel bequemer.
„Ich finds megacool, kann man doch so lassen.
Sieht doch wirklich nicht schlecht aus.
Neu gestylt, fahren Niklas und Celina in die Stadt nach Münster.
Das nächste Highlight auf der Suche nach Abwechslung:
Ein Comic-Laden, wo die beiden voll und ganz in die bunte Welt der Mangas
abtauchen können.
Ob gezeichnete Figuren, Instagram Seiten oder Youtube Promis - die Jugend
von heute hat viele Möglichkeiten zum Abtauchen - Weltgeschehen, Politik oder
Probleme sind hier weit weg.
Aber so sehr Niklas anders sein will - im Grund
möchte er einfach nur akzeptiert werden.
„Also es gibt natürlich ne eigene Sicherheit, dass man zu ner Gruppe dazu
gehört, auch wenn man diese Gleichgesinnten nicht überall findet oder
nicht so oft antrifft.
Man weiß einfach, es gibt Leute die haben dasselbe
Interesse und mit denen kann man auch immer reden darüber.“
Nach einem solchen Gemeinschaftsgefühl sehnen sich alle Jugendliche - egal,
welcher Szene sie angehören.
Zurück zu Hause.
Wie findet Niklas Mutter wohl die grüne Haarfarbe?
„Is Hübsch, ne?“
- „N bisschen zu grün oder?“
- „Also ich finds schön“ - „Okay“- „Voll geschockt gerade“- „Das
ist gerade n bisschen too much“- „Ich hab dich aber gefragt ob das ok ist“
- „Ja alles gut“ „Also er darf viel, er darf ausprobieren
und er soll auch ausprobieren, sag ich jetzt mal, er ist nur
einmal jung.“
Bei so viel Toleranz wird keiner zum Rebell.
Auch, wenn man es ihm nicht ansieht, Niklas wünscht sich totale Absicherung.
„Meine Zukunft stell ich mir finanziell sicher vor, ja dass ich dann ein
eigenes kleines Haus hab vielleicht auch mit meiner Freundin schon und
auch ne gute Arbeitsstelle, die auch sicher ist, zum Beispiel auch beim
Bund weil für Vater Staat verbeamtet sein.“
Ob er sich bei der Bundeswehr die Haare färben darf?
Auch die Charaktere aus seiner bunten Manga-Welt geben ihm Inspiration
für sein Aussehen.
Dass sein ausgefallener Look ein Schutzschild ist, gibt Niklas bereitwillig zu.
„Das ist ein positiver, kleiner Nebeneffekt, dass man durch diese Kleidung
auch härter wirkt als man ist und dass man dadurch auch in ne andere
Persönlichkeit abtaucht.“
Hinter einer harten Schale steckt also ein weicher Kern.
Trotz aller Unterschiede - was verbindet diese Generation?
Gibt es etwas, das unsere drei Jugendlichen doch gemeinsam haben?
Julian, der Rapper von nebenan.
Beste Technik und perfekte Planung sind sein Rezept auf dem Weg zum Erfolg.
„Ich denke, dass es sich nicht lohnt zu rebellieren, denn wir haben alles
was wir zum Leben brauchen und das ist das wichtigste.“
Anna, die individuelle Hackerin, (sprich Häckerin) kämpft mit Codes für eine
bessere Welt.
„Es gibt schon genug zum gegen rebellieren, ich weiß jetzt nicht ob
ich mich als Rebellin fühle _“ Niklas, der Gothic-Punk, findet Sicherheit
in seinem harten Aussehen.
„Es ist keine Rebellion, weil ich einfach nur meinen Style ausleben
meinen Spaß an der Freude habe.“
Die Jugend von heute: Außen hart, doch innen brav.
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