nach Science Fiction.
Doch genau das versuchen jetzt Forscher in Kalifornien
mit der VR Brille zu erreichen.
Wir haben einen Mann getroffen, der seine Erinnerungen so manipulieren will.“
„Heftige Schießerei am Ende der Fahrzeugkolonne.
Halte dich bereit.“
Virtual Reality ist nicht nur etwas für Gamer.
Für diesen Mann soll es die Lösung all seiner Probleme sein.
„Ich konnte eben kaum etwas sehen.
Da war so viel Blut in meinen Augen“
Doch von Anfang an.
Wir sind in San Diego, Kalifornien.
Hier treffen wir Akil Crawford [ A-Kiel Kroaford ].13 harte Jahre
liegen hinter ihm - eine zerbrochene Familie, ein Gefängnisaufenthalt, Einsamkeit,
mehrere fehlgeschlagene Therapien.
Wie es dazu kam?
2004 dient er als Soldat im Irak.
Nach seiner Rückkehr ist er arbeitsunfähig, lebt mit
einer Posttraumatischen Belastungsstörung.
Das heißt: Depressionen, Flashbacks, Schlafprobleme.
Der Grund dafür: Vor 13 Jahren überlebte er
einen Bombenanschlag.
„Ich fahre die Straße entlang und sehe neben mir ein
weißes verdächtiges Fahrzeug.
Ich melde das meinem Vorgesetzten.
Das Auto biegt vor mir nach rechts ab, ein Paar
Sekunden später: Boom!
Ich sehe nur Weiß, dann blitzten Bilder meines
Lebens auf.
Ich komme zu mir und merke, dass das Weiß der bedeckte Himmel
ist.
Okay, also ich lebe noch.
Dann sehe ich eine Hand - und die holt mich zurück in die Realität.“
Akil kann sich nicht an alles erinnern.
Tatsächlich wird sein Fahrzeug von einer Bombe getroffen.
Akil und die anderen Insassen überleben mit schweren
Verletzungen.
Für seinen Einsatz verleiht ihm das Militär mehrere Orden.
Zurück bleiben Wirbelbrüche und ein Schleudertrauma.
Doch diese körperlichen Verletzungen sind heilbar.
Das große Problem bis heute ist seine Psyche!
„Zurück zuhause war ich sehr jähzornig.
Die Leute dachten, ich reagiere immer über - aber ich
reagierte so, wie ich im Irak reagieren musste: Es ging alles um Leben und
Tod.
Ich habe Freunde verloren, war viel allein, wünschte mir,
ich hätte Gesellschaft, und habe viel getrunken.“
Teile seines Lebens hat Akil sich wieder zurückerobert.
Da er nicht mehr arbeiten kann, geht er seiner großen Leidenschaft
nach: er entwirft und näht Kampfsport-Outfits - die Beschäftigung hilft
ihm, mit seinem Trauma besser umzugehen - und über zerbrochene Beziehungen
hinwegzukommen.
Seit 2 Jahren hat Akil eine neue Freundin.
Bei ihr lebt er.
„Meine Freundin und ihre Kinder haben mir am
meisten geholfen.
Ich hole die Kinder am Nachmittag ab, sie wollen mich
verstehen und stellen mir Fragen… Ich erzähle ihnen Dinge über mich
und die Welt.
Das gibt meinem Leben einen Sinn.
Ich kann mich wieder um mehr kümmern als nur mich selbst.“
Ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Doch den wirklichen Durchbruch soll eine spezielle Therapie bringen: Hier am Scripps
Hospital versucht Akil, seine traumatischen Erinnerungen mit Hilfe von virtueller
Realität regelrecht zu "ÜBERSCHREIBEN".
Heute ist dafür ein besonderer Tag: Akils 22. und letzte
Therapie-Sitzung.
Unter ständiger Beobachtung durch seinen Arzt Dr.Wood
wird er gleich den schlimmsten Moment seines Lebens noch einmal
durchleben.
Dr Wood legt Akil Herzfrequenzmesser an und versucht, Akil
erstmal zu entspannen.
„Du hast 7 Sekunden um einzuatmen, Akil, und 7
Sekunden um auszuatmen.“
Während Akil sich vorbereitet, treffen wir die Leiterin des Instituts: Psychologin
Dr.
Brenda Wiederhold.
Sie erklärt uns, was sie und ihre Kollegen mit ihrer
neuartigen Behandlungsmethode alles zu erreichen versuchen.
Die Virtual Reality Therapie hilft bei vielen Ängsten: 92 % der Patienten trauen
sich nach der Behandlung zum Beispiel wieder an Board eines Flugzeugs oder
zurück in den Straßenverkehr.
Die größte Herausforderung ist aber die Behandlung von Traumapatienten wie Akil:
„Wenn du ein Trauma erlebt hast, erinnerst du dich nur an Bruchstücke der Erfahrung.
Wir wollen alle Bruchstücke zusammenbringen und wieder vereinigen.
Erst dann kann der Mensch das Erlebnis verarbeiten.“
Denn ist die Erinnerung ersteinmal vollständig, kann sie verändert werden.
Sie ist wie ein Stück Schokolade, das man aus
dem Kühlschrank nimmt: Sie ist formbar.
Wir kennen diesen Effekt.
Eigentlich hat uns ein kleiner Hund die Hose zerfetzt.
Doch je öfter wir darüber nachdenken und davon zählen, desto mehr
verformt sich die Erinnerung.
Aus einem kleinen Hund ist auf einmal ein großer
Hund geworden.
Die Erinnerung hat wie angeschmolzene Schokolade eine
neue Form.
Genau diesen „Rekonsolidierungs-Effekt“ nutzt die VR-Therapie,
um Erinnerungen bewusst zu verändern.
Die wichtigsten Werkzeuge sind hierbei die Virtual Reality Brille und eine
Animation, die das erlebte Trauma so genau wie möglich simuliert.
Das Ziel: die Patienten sollen vergessen, dass sie sich
in einer virtuellen Welt bewegen.
Die Simulation lässt sie ihre größten Ängste
immer wieder durchleben - aber mit der Möglichkeit, diesmal das Geschehen unter
Kontrolle zu bekommen.
Wiederholt man das immer wieder, soll das die ursprünglich
angsterfüllte Erinnerung tatsächlich verändern.
„Dein Hirn kennt nicht immer den Unterschied zwischen der realen Welt und der
virtuellen Welt.
Wir erschaffen in der virtuellen Welt eine neue
Erinnerung.
Damit bildet sich eine neue Nervenbahn im Hirn.“
Das heißt bei Akil nichts anderes, als dass er in der VR-Therapie die Situation,
die ihn seit 13 Jahren in Panik ausbrechen lässt, erneut durchleben und
meistern muss.
Monatelang hat er darauf hingearbeitet, seiner größten Angst -
dem Bombenanschlag im Irak - gelassen zu begegnen.
Dafür soll er, seine Atmung so ruhig wie möglich werden lassen,
bevor es los geht.
„Die rote Linie zeigt den Herzschlag an, die blaue
Linie die Atemzüge pro Minute.“
Die Simulation soll so realistisch wie möglich sein.
Daher arbeitet Dr Wood mit echten Kriegsgeräuschen.
Wird dadurch nicht das Trauma erst noch verstärkt?
„Wir glauben, dass man psychische Belastbarkeit durch positive, erfolgreiche Erlebnisse in
gefährlichen Situationen erreicht.
In der Therapie wollen wir einem Menschen Stärke beibringen, also die
Macht der Gedanken über die Materie.“
Akil soll seine Atmung auf 5 Atemzüge pro Minute herunterfahren, wenn die
schmerzhaften Erinnerungen kommen.
„Wie geht es dir jetzt?“
„Ich bin entspannt.“
Es kann also losgehen.
In den ersten Sitzungen der Therapie musste Akil die
Simulation immer wieder abbrechen und konnte sich nicht mehr beruhigen.
Heute ist Akils letzte Sitzung.
Er will durchhalten - und vor allem ruhig bleiben.
Dr.
Wood wird in den nächsten Minuten genau kontrollieren, was Akil sieht und
hört.
Der Mediziner war früher selber beim Militär und kennt Akils Probleme.
Dr.
Wood gibt Akil ab jetzt genaue Anweisungen.
„Es ist Zeit auf Patrouille zu gehen.
Rebellen links und recht vom Konvoi!
Deine Aufgabe ist es den Angriff abzuwehren.
Akil ist genau in der Situation, die er im Jahr 2004 tatsächlich erlebt hat.
„Ein weißes Zivilfahrzeug fährt die Straße runter,
es ist kein Gegner.“
„Verstanden.“
„Atmung ist bei 19.
Heftige Schießerei am Ende der Fahrzeugkolonne.
Halte dich bereit.““
Akils Atemfrequenz und Aufregung steigen wieder extrem.
Doch Dr Wood bringt Akil dazu, sich in dieser Stresssituation
zu entspannen und seinen Atem wieder auf 5 Atemzüge pro Minute zu verlangsamen.
„Ruhig, Entspannt, gemütlich.
Schiebe die Gedanken weit weg.“
Doch der Stresspegel steigt wieder, je näher Akil seinem Trauma kommt: Dem
weißen Auto.
„Der weiße Wagen wurde als Selbstmordattentäter identifiziert.
Entferne das Fahrzeug.“
Die Erlösung: Akil hat es geschafft.
Auch in Wirklichkeit war dieses Fahrzeug Auslöser des Bombenanschlag.
Doch anders als in der realen Situation kann Akil den Angriff in der virtuellen Welt zum
ersten Mal abwehren.
„Mission erfüllt.
Gib mir den Joystick.“
Je häufiger Akil es gelingt, in dieser Situation die Kontrolle zu behalten, desto
deutlicher kann er seine traumatische Erinnerung mit einem neuen Erlebnis
überschreiben.
„Irgendwelche Anmerkungen?“
„Ich konnte eben kaum etwas sehen.
Da war so viel Blut in meinen Augen.
Ich sah nur rot.
Alles hat so gepumpt“
„Meine Güte!
Du warst auch bei 22, 23 Atemzügen pro Minute.
Es tut mir Leid, dass ich das mit dir machen musste.“
Akil hat seine letzte Therapiestunde erfolgreich abgeschlossen.
Was hat er in der Virtuellen Realität gelernt?
„Die Fähigkeiten, die ich in der Virtuellen Realität
gelernt hab ermöglichen es mir erst, mit meinen Erinnerungen und neuen
Situationen klarzukommen und nicht mehr zusammenzubrechen.“
Eine US-Studie zeigt, dass die Virtual Reality Therapie bei 80 Prozent der
Traumapatienten tatsächlich wirkt.
Akil hat gute Chancen, wieder ein ganz normales Leben zu führen.
Er hat gelernt, seine Erinnerungen als das zu
sehen, was sie sind: Vergangenheit.
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